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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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56. Milit. Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im rüm. Kaiserreich etc. 187

und eine so ausgedehnte Macht besass, wie nur je die Präfekten derPrätorianer.

Ausserdem gab es im 4. und 5. Jährh. in den römischen Heereneine grosse Menge von Chargen und Posten der verschiedensten Artenund Benennungen, welche irgend ein spezielles Commando oder Ver-waltung zu führen, oder den Truppenbefehlshabern bei der Führung undVerwaltung behülflich zu sein hatten, was vordem in dem römischenHeere nicht üblich gewesen war, wenigstens nicht in solchem Umfangeund Maasse. So gab es bei den Heeren: 1) Präfekten verschiedener Art,z. B. praefecti castrorum (Lagerpräfekten), welchen die Auswahl derOrte für das Lager, Aufbau und Befestigung des letzteren, Vertheilungder Truppen in demselben, der Wurfgeschütze, der Lazarethe, derAerzte, der Kranken, sowie die Ausrüstung derselben mit Zelten, Ge-päck, Bagage und Fahrzeugen u. s. w. oblag; praefecti der mili-tärischen Handwerker, den Lagerpräfekten unterstellt und überalle Kriegsarbeiten der militärischen Handwerker gesetzt, welche beiden Legionen standen, sowie auch Vorgesetzte der Legionshandwerks-stätten und Magazine, in welchen die Waffen, Geschütze, Maschinenu. s. w. angefertigt, ausgebessert und aufbewahrt wurden; praefectider Staatswaffenfabriken, Arsenale, Rüstkammern, Ma-gazine u. s. w.; Metatores und mensöres (Abstecker und Abmesser),welche unter den Lagerpräfekten standen, den Platz für das Lager aus-zumessen, das Lager aufzuschlagen und die Truppen darin unter zubringen hatten; 3) Tesserarii (von tessera das Paroletäfelchen),welche zu militärischen schriftlichen Arbeiten, Ausgabe der Parole undBefehle etc. verwendet wurden; 4) zahlreiche Gehülfen der magistri, co-mes, und duces, in verschiedenen Stellen und Rangstufen, unter den Na-men Assessores, Adjutores, Apparitores u. s. w., bei jedemmagister, comes oder dux noch ihrem eigenen princeps*) unterstellt.

Im Allgemeinen hatte im 4. und 5. Jahrb. die militärische Rang-stufenfolge im römischen Reiche wegen der unverhältnissmässigen Mengeder Chargen, Aemter und Stellen, welche zum grössten Theil nur Titular-oder Ehrenposten waren, und nach der Form ihres Gehaltes wie ihrer Be-schäftigungen vollkommen einen den orientalischen Monarchieen eigenenCharakter. Die militärischen Posten, Aemter und Titel wurden meistensnicht, wie im Alterthum, an solche Personen verliehen, welche sich durchEifer im Dienste, durch strenge Pflichterfüllung, durch Muth undTapferkeit im Kampfe ausgezeichnet hatten, sondern an Höflinge, anVornehme, an Personen, welche niemals im Heere gedient hatten, an

*) Sie entsprachen den heutigen den Truppenführern beigegebenen Generalstabs-offizieren und Adjutanten.