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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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. Milit. Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im rüm. Kaiserreich etc. 185

Form der Legion bereits so gegen früher verändert, dass nur noch derName an die alte römische Legion erinnerte, andrerseits aber war sieauch keine vollkommene Phalanx, sie bot vielmehr das Bild derselbenUnordnung, Unregelmässigkeit und Formlosigkeit dar, wie diese ganzeZeitperiode selbst.

Die Regelmässigkeit, Ordnung, die Behutsamkeit und Schnelligkeitder Marschbewegungen der römischen Legionen und Armeen begannschon seit dem 3. Jahrh. mehr und mehr nachzulassen. Die Abnahmeder Schnelligkeit derselben entsprang besonders aus der Verminderungder leichten Beweglichkeit der römischen Heere, in Folge der Verweich-lichung und Schwächlichkeit der Krieger, der Vermehrung an Wurf-geschützen , an Bagage und Fahrzeugen, und der zunehmenden Verhee-rung , Entvölkerung und Verarmung des Landes im Reiche und der dar-aus hervorgehenden Erschwerung des Unterhalts der Truppen.

Die Unterbringung der Truppen in Marsch- und stehenden befestigtenLagern wurde schon oben dargestellt (§. 347).

Was die Aktion der Truppen im Kampfe anbelangt, so muss her-vorgehoben werden, dass die Römer den seit dem 3. Jahrh. immer zu-nehmenden Verfall an sittlicher Kraft des Heeres, gleich den Griechenin deren letzter Zeit, durch taktische, kleinliche, unwesentliche und un-nütze Spitzfindigkeiten zu ersetzen suchten, dass die Aktion im Kampfevorzugsweise und schliesslich ganz und gar defensiv und nicht offensivwurc]e und namentlich eine erhöhte Thätigkeit der Wurfgeschütze undFernwaffen eintrat. Das erreichte aber seinen Zweck in keiner Weise,sondern bewjes nur klärlich den Kleinmuth der Römer und den Verfallihrer Kriegskunst. Das Handgemenge mehr als den Tod fürchtend,suchten sie auf alle Weise den Feind aus möglichst weiter Ferne durchheftiges Feuer ihrer Fernwaffen und Wurfmaschinen aufzuhalten, nieder-zuwerfen und zu vernichten, und setzten daher ihre ganze Hoffnung aufdiese Wurfgeschütze. Aber eben diese Wurfgeschütze brachten durchihre Unbeweglichkeit und Ungelenkigkeit nur in den Rotten, Gliedernund Linien ihrer eigenen Truppen Unordnung und Verwirrung hervor,keineswegs aber hielten sie den Feind auf, am wenigsten die B arbar en.Diese Letzteren, die Maschinen ebenso verachtend wie die römischenTruppen selbst, warfen sich gleich bei Beginn des Kampfes auf dieselben,bemächtigten sich ihrer ohne Mühe und besiegten dann die römischenKrieger um so leichter im Handgemenge, wenn diese nicht überhauptsofort sich zu schimpflicher Flucht wandten und wirklich den Angriff zuerwarten wagten. Im Nahgefechte, wo überlegene Körperkraft und per-sönliche Tapferkeit mehr entscheidet als taktische Kunst, hatten dieBarbaren natürlich eine entschiedene Ueberlegenheit über die römischenTruppen.