Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

1 84 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Seit Diocletian und besonders seit Constantin d. Gr. fingen die Feld-Wurfgeschütze , gerade so wie die Barbaren, die Hauptstärke der römi-schen Heere zu bilden an.

Die relative Anzahl der verschiedenen Truppengattungen in der Le-gion war, nach Vegetius, zu seiner Zeit (Ende des 4. Jahrh.): 6100Mannschweren Fussvolks und 726 Mann Cavallerie, ausserdem noch die leich-ten Truppen, im Ganzen also eine Durchschnittszahl von etwa 7000 Mannaus allen Truppenarten. Aber auch das ist zu bezweifeln, denn unterDiocletian und Constantin d. Gr. belief sich die effektive Stärke der Le-gion nur auf 45000 Mann der verschiedenen Truppengattungen, unddiese wurden später noch allmälig herabgemindert bis auf 2500, 2000und sogar nur 1000 Mann. An Feldgeschützen gab es, nach Vegetius'Angaben, je 1 Handbailiste per Centurie und je 1 Onager per Cohorte,folglich 60 der Ersteren und 10 der Letzteren per Legion oder je 1 Ge-schütz auf etwa 100 Mann, eine unverhältnissmässig grosse Zahl! DieStärke der Hülfscohorten betrug bis zu Constantin d. Gr. in einigen 500Mann, in anderen bis zu 1000 Mann, wobei die Reiterei bald mit-, baldnicht mitgerechnet ist. Von Constantin d. Gr. an bestanden die Fuss-compagnieen der Hülfstruppen aus 100 Mann, die Cohorten der Grenzeraus 500 Mann, die lieiterabtheilungen 'Schwadronen) der Hülfstruppenaus 200, der Grenzer aus 100 Mann. Zusammensetzung und Anzahl dervon den botmässigen Völkern zu stellenden Truppen war nicht festgestelltund nicht immer dieselbe, da sie von der Kriegsorganisation und den Ge-wohnheiten dieser Völker und von den Umständen abhingen.

Die Legionsadler schmückte Constantin d. Gr. schon am oberenEnde mit einem Kreuze, auch führte er ausser diesen Adlern Kreuzes-fahnen i Paniere, labarum) ein, Feldzeichen auf kreuzförmigen Stangenmit einer Darstellung des Gekreuzigten oder einem Bilde von Jesus Chri-stus, wobei das Monogramm seines Namens J. C. an die Stelle des frühe-ren Monogramms Si P. Q. P. [Senatus Populusque Romanus) trat.

§. 390.Aufstellung, Bewegungs- und Kampfart der Truppen.

Im 4. und *5. Jahrh. näherte sich die Aufstellung der Legion ent-schieden mehr und mehr der Formation der Phalanx in vielen Beziehun-gen, obgleich sie in anderen sich von dieser unterschied. So stellte sichz. B. die Legion schon fast ganz ohne Zwischenräume (Intervalle) auf,aber nur in sechs Gliedern, d. h. aus der auseinandergezogenen war einegeschlossene, aus der tiefen eine dünne Aufstellung geworden. DasLetztere war die natürliche Folge der übermässigen Vermehrung derZahl der Wurfgeschütze bei den Legionen. Es hatte sich hierdurch die