5li. Milit Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im rüm. Kaiserreich etc. 183
dass zur Zeit des Einfalls Alarich's in Italien , unter Honorius im J. 403,Stilicho, der magister des Heeres im Westreiche, gezwungen war, dieGrenzen Caledoniens (Schottlands) und am Rhein vollständig zu ent-blössen, um Italien decken zu können. Die ausserdem fast ausschliesslichaus Miethlingen, habsüchtigen und käuflichen Barbaren zusammengesetz-ten, numerisch schwachen Streitkräfte des Weströmischen Reiches warennicht im Stande, den hauptsächlich gegen sie gerichteten Andrang derzahlreichen und an Leib und Seele starken Völker des Nordens abzu-halten.
Die 30 letzten Jahre endlich vom Tode des Honorius bis zum Unter-gange des Weströmischen Reiches sind bemerkenswerth durch das ent-schiedene Uebergewicht der Germanen sowohl im Staate im Allgemeinen,als im Heere im Besonderen. Zu dieser Zeit bildeten sie schon aus-schliesslich die Heere der beiden römischen Reiche und hatten alle Be-fehlshaberstellen in denselben inne. Die obersten Heerführer — magistrimilitiae —, gleichfalls Germanen oder andere Barbaren, erlangten un-gewöhnliche Macht, Ansehen und Gewalt im Staate und eine vollkom-mene Unabhängigkeit und Selbständigkeit den Kaisern gegenüber, weildie von ihnen angeworbenen Söldnerheere, aus Barbaren bestehend, schonvollkommen von ihnen abhingen Solche waren: Bonifacius, Casti-nus, Aetius. Rizimer, Gundobald, Orestes, und der Letzte vonihnen, Odoaker, der dem Bestehen des Weströmischen Reiches einEnde machte.
§. 389.Verschiedene Truppengattungen, ihre Anzahl und Bewaffnung.
Die Bewaffnung der Truppen war allmälig eine so leichte geworden,dass der Soldat, so zu sagen, durch Nichts mehr gedeckt und geschütztwar. Unter Gratian hörte das Tragen von Helmen und Panzern gänzlichauf, sogar die leichten griechischen Helme wurden zu schwer befundenund durch pannonische Pelz- (Schaf- oder andere) Mützen ersetzt. Auchdas Schwert und der Speer wurden allmälig leichter gemacht, und aufdiese Weise, sagt Vegetius, wurden die Römer im Kampfe wieSchlachtvieh, nicht aber wie Männer niedergemacht.
Er giebt an, dass zu seiner Zeit (Ende des 4. Jahrh.) die Beitereisich gegen die übrige Armee auszeichnete durch die vortreffliche Bewaff-nung und Ausbildung der Reiter, wie durch die Trefflichkeit der Pferde.Aber das ist doch zu bezweifeln. da diese Cavallerie das römische Heernicht gegen Niederlagen durch die Barbaren schützte, und jedenfallskonnte sie, wenn sie wirklich auch gut war, nicht für den Mangel angutem Fussvolk entschädigen.