180 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
stehendes Lager vor den Thoren Roms auf und legte statt dessen wenigerzum Schutze der Stadt als zur Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung inderselben zwei illyrische Legionen nach Rom, welche (nach dem von ihmund Maximinian Augustus angenommenen Beinamen: Jovius und Her-culius) die Jovianer und Herculianer genannt wurden.
Die von ihm begonnene Umgestaltung ward durch Constantin d. Gr.vollendet. Dieser, welcher noch grösseren Anlass hatte, als Diocletian,die Macht und den Einfluss der Truppen zu brechen, trennte die militä-rische Gewalt gänzlich von der bürgerlichen, um die Statthalter derMittel zu berauben sie zum Bösen zu verwenden, sowie um die kaiser-liche Macht zu stärken und zu befestigen. Nach dem Siege aber überMaxentius (312) löste «r die Prätorianer gänzlich und für immer auf undführte eine neue Eintheilung und Vertheilung der Truppen ein. Vondiesem Zeitpunkte an wurde die gesammte Land-Streitmacht des Reicheseingetheilt: nach den 4 Präfekturen, 13 Diöcesen oder Kreisen und 117Provinzen oder Bezirken, in welche Constantin d. Gr. das Reich geglie-dert hatte, und sie bestand: 1) in Legionen [Legiones, Numeri, Prae-fecturae), 2) inHülfs-Fuss-Compagnieen [Auxiliae] und Reiter-Schwadronen {Vexillae), 3) in Fuss-Cohorten undFlüge'l- oderReiter-Schwadronen der Grenztruppen ( Oohorteset alae limitanes) ,und 4) in der kaiserlichenLeibwache oder Garde, alter und junger(Domestici, Protectores) , eingetheilt in Corps (Abtheilungen, Scholae)oder Compagnieen. Von den Legionen und Hülfstruppen gab es dreierleiArten: 1) die Palatinenses, kaiserlichen; sie bildeten die aktivenFeldtruppen, hatten keine für immer feststehenden Garnisonorte und er-hielten einen weit höheren Gehalt als die übrigen Truppen; 2) die Co-mitatenses oder Provinzialen (von Comitatus , Provinz); sie bildeteneine Art Landes-Contingent, waren beständig in den Provinzen, welchesie stellten, in Häusern untergebracht, wurden nur auf kurze Zeit zukriegerischen Uebungen eingezogen, befanden sich aber in steter Kriegs-bereitschaft; endlich 3) die Pseudo-Comitatenses oder Unterpro-vinzialen, bildeten eine Art Reserve-Landes-Contingent (Reserve-Auf-gebot) , das bestimmt war, im Falle besonderer Wichtigkeit oder äusser-ster Gefahr die Oomitatenses zu verstärken. Was die Grenztruppenanbelangt, so waren sie längs der Grenzen angesiedelt und bildeten längsderselben besondere Grenz-Colonieen. Ausserdem unterschieden sich dieTruppen, wie auch früher schon, durch Benennungen oder durch Num-mern {Legio prima, secunda etc.), oder nach Provinzen (Illyricae, Pan-nonicae, Dalmatae, Syriacae, Maurii), oder nach den Namen der Im-peratoren, von welchen sie creirt worden [Flavianis, Joviana, Herculiana) ,oder nach irgend welcher von ihnen zur Schau getragenen Auszeichnungoder Eigenthümlichkeit [Martiarii, Vindices, Pii).