174 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Handhabung der Mannszucht in seinem Heere hatte er dessen sittlicheKraft und Geist zu heben gewusst und war während der ganzen 6 Jahreseiner Regierung die Furcht und der Schrecken der inneren und äusserenFeinde und die zuverlässigste Stütze des schwankenden und sinkendenRom gewesen!
§. 387.Peldzüge des Carus (282—283).
Nach dem Tode des Probus riefen seine Legionen ihren Präfektenpraetorii Marcus A u r e 1 i u s Carus als den würdigsten zum Kaiser ans(obgleich er nicht ganz ohne Schuld an der Ermordung des Probus war).Der Senat erkannte ihn an und ernannte seine beiden Söhne, — beideeinander sehr unähnlich —, den lasterhaften Carinus und den tugend-haften Numerianus zu Cäsaren.
Die Nachricht von der Ermordung des Probus hob sogleich den Muthder Barbaren, welchen dieser im Zaume gehalten hatte, und zuerst über-schwemmten nun die Sarmaten Thracien. Illyrien und sogar Italien.Carus zog ihnen entgegen und besiegte sie in offener Feldschlacht miteinem Verluste von 16000 Gefallenen und 20000 Gefangenen (?) auf ihrerSeite.
Darauf beschloss er zur Ausführung des Vorhabens des Probus, zumKriege gegen die Perser zu schreiten. Seinem Sohne Carinus übertrug erden Schutz Galliens gegen die Germanen, welche nach Probus' Tode sichzu neuen Einfällen in dieses Land rüsteten. Mit der Hauptmacht desHeeres brach er selbst mit seinem Sohne Numerianus im J. 283 nach demOriente auf. Die inneren Zwistigkeiten, welche um diese Zeit Persienzerrissen, begünstigten ihn. Ohne besondere Anstrengung und Müheeroberte er Mesopotamien, Seleucia und Ctesiphon zurück. nahm schonden Ehrennamen Persicus an und traf Anstalten zur weiteren Aus-dehnung seiner Erfolge, als ihn plötzlich der Tod ereilte. — vom Blitzeerschlagen, der bei einem heftigen Gewitter sein Zelt und ihn verbrannte:wahrscheinlicher ist es wohl, dass er während des Unwetters durch seinenPraefectus Praetorio Arn us Aper, einen Menschen von ungemessenemEhrgeiz und niedriger Denkungsart. ermordet und im Zelte verbranntwurde.
Nach des Carus Tode ernannten seine Legionen dessen Söhne Ca-rinus und Numerianus zu Kaisern. Der Aberglaube der Römer, dereine vom Blitz getroffene Stelle für unheilbringend hielt, und ein alterOrakelspruch, welcher den Tigris als die vom Schicksal bestimmte Grenzedes römischen Reiches bezeichnete, bestimmten das römische Heer zu