55. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Römer währ, dieser Periode. 175
fordern, class Numerianus sie zurückführe. Auf diesem Marsche wurdeNumerianus von Arrius Aper heimlich ermordet (17. Septbr. 284). der»aber ergriffen und in Ketten vor dem Heere nach Europa geschlepptwurde, — und nachdem der Befehlshaber der Leibgarden und des Hof-halts [Regens domesticos) Marcus Valerius Diocletianus (aufgriechisch Dioclitian) zum Kaiser gewählt und ausgerufen, erstachdieser den Aper mit eigener Hand.
Ueberblicken wir diese ganze Periode des vollkommensten Militär-Despotismus, so erkennen wir deutlich, dass derselbe nur zur gänzlichenTrennung des Kriegerstandes vom Bürgerstande führen konnte, — eineFolge der Einführung der stehenden Heere. Die Legionen entschiedenAlles, weil das Volk ohne Waffen war. Und zugleich hatte sich nur nochin den Legionen, welche fern von Rom oder den grossen Städten undderen Verweichlichung standen und sich in stetem Kampfe mit den Bar-baren befanden, ein Rest des alten römischen Geistes erhalten.. Die Pro-klamirung ihrer Feldherren zu Imperatoren war die natürliche Folgenicht allein der Unbeschränktkeit der Thronfolger. sondern häufig auchder Notwendigkeit, denn sie erfolgte im Lager des Heeres unter demEinflüsse der schwierigsten Verhältnisse. Auf solche Weise erlangte eineganze Reihe von vorzüglichen Feldherren die Kaiserwürde. — und dasist nicht zum Verwundern, denn welche Macht konnte ein Kaiser haben,der nicht Heerführer war? Aber jede dauernde Verbesserung im Staatewar unmöglich in Folge der raschen Aufeinanderfolge von Kaisern, derenbeste und verdienstvollste sich gar nicht mit den inneren Angelegenheitenbefassen konnten, weil sie alle ihre Streitkräfte entweder zum Schutzeder Grenzen oder zum Kampfe gegen Usurpatoren verwenden mussten,welche ihrerseits, ausgenommen die Anerkennung durch den Senat. imWesentlichen gleiche Rechte mit ihnen hatten.*)
Bei alledem musste der Verfall des römischen Reiches durchaus nocheinen rascheren Gang nehmen auch in Folge des erhöhten Luxus in derrömischen Gesellschaft und im Gemeinwesen und besonders in den öffent-lichen Festen, Triumphen, Schauspielen etc., bei der gleichzeitigen Ver-armung der Stadt- und Landbevölkerung in Folge der inneren und äusse-ren Kriege. *)
Und dennoch bietet recht eigentlich in kriegerischer Beziehung diesePeriode einen nicht geringen Grad von Interesse durch die mehr oderweniger geschickten und bedeutenden Kriege, Feldzüge und Kriegs-
S. Heeren, Geschichte des Altertluiros.