55. Die bernerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Körner währ, dieser Periode. 173
In Gallien hatte sich der Tribun Proculus empört, in Cöln denPurpur genommen und sich in kurzer Zeit ganz Galliens, Hispaniens undBritanniens bemächtigt. Aber vergebens suchte er die Germanen aufseine Seite zu bringen: sie blieben dem Probus treu und leisteten ihmgegen Proculus kräftige Unterstützung. Der Letztere verlor eine Schlachtund floh zu den Franken, wurde aber ausgeliefert und hingerichtet. Beidieser Gelegenheit bemerkt Vopiscus, dass zu dieser Zeit schon Ehre,Treue und Glauben diesem Volke fremd geworden sei, dass sie sie nir-gends hielten und leicht und mit Lachen sie brachen.
Die Hinrichtung des Saturninus und Proculus hielt den LegatenBonosus, der ein Truppencorps in Gallien befehligte, nicht ab, ihremBeispiele zu folgen. Durch seine Nachlässigkeit hatten die Germanensich einer römischen Flottille auf dem Rhein bemächtigt, und aus Furchtvor einer strengen Züchtigung durch Probus erklärte sich Bonosus zumKaiser! Nicht ohne Mühe ward er von Jenem besiegt, und aus Ver-zweiflung erhängte er sich zu Cöln. Probus aber begnadigte seineFamilie.
Leichter wurde es dem Letzteren, einen Aufstand der Gladiatorenzu Rom zu dampfen, wonach er seinen Triumph über die Germanen undBlemmier feierte (im J. 281).
Nachdem er auf diese Weise Ruhe und Frieden im gesammten Reichehergestellt hatte, beschloss Probus im J. 282 das auszuführen, was schonAurelian gewollt aber nicht vollbracht hatte, nämlich die Besiegung, Be-schimpfung und Ermordung Valeriana an den Persern zu rächen. Zudiesem Zweck zog er in Illyrien ein Heer zusammen und liess, da ergewohnt war, die Soldaten in steter Thätigkeit zu erhalten, einen Canalzur Trockenlegung der Sümpfe in der Umgegend von Sirmium durch siegraben, bei welcher Arbeit er persönlich zugegen war. Das hiermit un-zufriedene Heer murrte besonders an einem sehr heissen Augusttage,indem es sich laut beschwerte, dass sie wie Missethäter nicht zu kriege-rischen, sondern zu öffentlichen Arbeiten verwendet würden. Probusmachte ihnen zornig Vorwürfe und wollte sie zwingen, wobei er sich zuder unvorsichtigen Aeusserung fortreissen liess: »bald werden überhauptkeine Soldaten mehr nöthig sein.« Da warfen sie sich in augenblicklicherErregtheit auf ihn, sie bereuten aber sogleich aufs Tiefste seine Er-mordung und errichteten aus freien Stücken diesem verdienstvollenKaiser und Heerführer ein Grabdenkmal.
In der That verdient in dieser Zeit des tiefen sittlichen Verfalls derRömer und der gefahrvollen Lage ihres Reiches Probus, gleich Aurelian,unter den besten Kaisern und Feldherren genannt zu werden. Er ver-einigte in erstaunlichem Grade Muth, Tapferkeit, Seelengrösse, Klug-heit, Güte, Gerechtigkeit und kriegerische Befähigung. Durch die strenge