166 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
sich ein. Sein ungewöhnlich kriegerischer Sinn, seine Tapferkeit, Kör-perkraft und Strenge verschafften ihm bei seinen Kriegern den Beinamenmanu ad ferrum.
Obgleich die bei Aquileja stehenden Legionen den Bruder des ver-storbenen Claudius, Quintillus, zum Kaiser ausgerufen hatten, so sahdieser doch die Unmöglichkeit ein, sich gegen Aurelian und dessen Armeezu behaupten und gab sich daher selbst den Tod.
Nun eilte Aurelian nach Rom, verweilte aber nicht lange daselbst,sondern brach bald nach Pannonien auf, wo die Gothen von Neuemverheerend eingefallen waren. Aber noch ehe er dort eintraf, erliess eran alle Landbewohner Pannoniens den Befehl, alles Getreide und Viehin den festen Städten unterzubringen, um den Gothen den Unterhalt ab-zuschneiden, für seine Truppen dagegen ihn sicher zu stellen. Ein Auf-stand der Germanen beschleunigte seinen Marsch nach Pannonien, undkaum an der Donau angelangt, griff er die Gothen an, welche soebenerst diesen Strom überschritten hatten, schlug sie und warf sie über denStrom zurück. Die Gothen erbaten und erhielten den Frieden 270).
Daraufwendete sich Aurelian gegen die Alemannen, Marcomannen,Juthongen und Vandalen, welche in Italien eingedrungen waren. Aufdem Zuge gegen sie schlug er an der oberen Donan die Juthongen,welche sogleich Gesandte in sein Lager schickten, um Friedensunter-handlungen anzuknüpfen. Da diese aber hochmüthig Bundesgenossender Römer zu werden forderten, so wollte Aurelian sie durch den Anblickder gewaltigen römischen Armee und des vollen Glanzes seiner Kaiser-würde schrecken. Sie beharrten indessen auf ihrem Willen, und so ent-schloss sich Aurelian zur nachdrücklichsten Fortsetzung des Kriegesgegen sie, um sie vollständig auszurotten. Zu dem Ende besetzte er,während sie über die Alpen nach Italien zogen, in ihrem Rücken dieHaupt-Gebirgspässe. Allein die Germanen überschritten die Alpen beiMediolanum und brachen in Italien ein, Schrecken bis nach Rom ver-breitend. Aurelian folgte ihnen, wurde aber bei Placentia von ihnenüberfallen und aufs Haupt geschlagen, so dass man in Rom schon an derRettung verzweifelte und zu den äussersten Maassregeln schritt. Mitgrösserer Vorsicht den Germanen nachsetzend, erreichte Aurelian sie beiFanum <h. Fano) am Metaurus, schon nicht mehr sehr weit von Rom,brachte ihnen in einer blutigen Schlacht eine bedeutende Niederlage beiund zwang sie auf demselben Wege zurückzukehren, auf welchem siegekommen waren. Von Aurelian verfolgt, wurden sie zum zweiten Malbei Placentia und zum dritten Mal in den Ebenen des Ticinus geschlagenund definitiv aus Italien vertrieben, ja bis über die Alpen verfolgt, wosie Friedensunterhandlungen anknüpften und endlich Frieden zu schliessengenöthigt waren. Die Vandalen stellten Geiseln, kehrten in ihr Land