Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

55. Die bemerk enswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Römer währ, dieser Periode. 165

mit der grössten Erbitterung und Ausdauer gefochten wurde, einen ent-scheidenden Sieg über sie. hauptsächlich in Folge seiner geschicktenAnordnungen. Die Trümmer des Gpthenheeres verfolgte er mit grössterThätigkeit und Schnelligkeit und rieb sie fast gänzlich auf, trotz ihrerheftigen Gegenwehr. Ihre letzten Ueberbleibsel retteten sich in dasHämusgebirge (Balkan). wo sie, von Claudius eingeschlossen und in dieEnge getrieben, durch Hunger und ansteckende Krankheiten umkamen.

Inzwischen war der andere Theil der Gothen auf der mit ungeheurerBeute beladenen Flotte nach Macedonien zurückgekehrt, um sich mitdem Thessalonica und Cassandra belagernden Landheere zu vereinen.Nach ihrer Landung wurden sie aber in mehreren Gefechten aufgeriebenund die Flotte mit den darauf befindlichen Truppen theils gefangen ge-nommen , theils in den Grund gebohrt. Claudius berichtet hierüber anden Senat: «Wir haben 320000 Gothen und 2000 Schiffe vernichtet. Mitihren Schilden sind alle Flüsse, mit ihren Schwertern und Lanzen alleUfer bedeckt, mit ihren Leichen und Gebeinen alle Wege besäet. Ihreungeheure Wagenburg steht verlassen. von ihren Weibern sind so vielein Gefangenschaft gerathen. dass jeder unserer Krieger deren zwei bisdrei erhalten hat.« Unter den Gefangenen befanden sich sogar Königeund Königinnen. Die Zahl der Gefangenen war so gross, dass, nachdemalle junge Mannschaft unter die Legionen gesteckt worden, noch eineMenge Anderer in den entvölkerten römischen Provinzen angesiedeltwurde. Auf Seiten der Römer hatte sich nächst Claudius am meisten derLegat Aurelianus hervorgethan.

Die ansteckenden Krankheiten, denen die Gothen im Hämus erlegenwaren, hatten sich leider auch dem römischen Heere mitgetheilt. Clau-dius selbst fiel ihnen im J. 270.zum Opfer, zu früh für das römischeReich. Aber noch vor seinem Tode hatte er den dessen würdigen Aure-lianus zu seinem Nachfolger ernannt, und Heer und Volk bestätigtediese Wahl.

§. 3S5.Feldzüge des Aurelianus (270275).

Aurelian. der Sohn eines an der Donau sesshaften Landmannes, vomgemeinen Soldaten durch hervorragende Kriegsthaten zu den höchstenGraden emporgestiegen, trat würdig in die Fusstapfen des Claudius undvollendete das von Diesem Begonnene. Die Herstellung der strengen alt-römischen Disciplin in dem Heere für besonders nöthig erachtend. ent-wickelte er hierfür eine unermüdliche Sorge, die bis zur Grausamkeitging, gab aber selbst überall das persönliche Beispiel und flösste hier-durch den Soldaten eine heilsame Furcht und die grösste Achtung vor