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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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164 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

§. 384.Feldzüge des Claudius II, (268270).

Nachdem Claudius zum Kaiser ernannt und anerkannt worden, ver-langte Aureolus, dass Jener ihn zum Mitregenten annehme. Aber Clau-dius wies dies Ansinnen zurück, erklärte ihn für einen Feind des Vater-landes , marschirte gegen ihn und schlug ihn an den Ufern der Adda inder Nähe von Mediolanum. Mit des Aureolus hierbei erfolgendem Todeendete der Bürgerkrieg der dreissig Tyrannen, und mit Ausnahmevon Gallien, Britannien und Hispanien, wo Tetricus noch herrschte, standnun das ganze Reich unter des Claudius Alleinherrschaft. Ehe er abernach Rom zurückkehrte, besiegte er noch in blutiger Schlacht an denUfern des Gardasees die in Italien eingedrungenen Alemannen.

In wenigen Monaten stellte Claudius durch weise Gesetze und zweck-mässige Strenge in Rom wie in den Provinzen Ruhe und Ordnung herund wandte sich dann im J. 269 vor Allem gegen die Gothen, welcheschon wieder die illyrischen, pannonischen und mösischen Provinzen ver-heerten: demnächst wollte er dann nach Westen gegen Tetricus undschliesslich nach Osten gegen Zenobia ziehen.

Die Gothen waren mit ungeheurer Macht (nach den Angaben der altenHistoriker 320000 Mann stark, als ob man sie hätte zählen können)im J. 269 an die Mündung des Tyras-Flusses (h. Dnjestr) gezogen, hattensich dort auf 2000 Schiffen eingeschifft, waren südöslich bis zur StadtTomi in Kleinasien gesegelt und hatten, hier landend, sich nach Mar-cianopolis in Bewegung gesetzt. Dann hatten sie nicht ohne Gefahr undVerlust ihre Schiffe nach dem thracischen Bosporus gesteuert, Byzantiumund dann Cyzicus angegriffen, waren vor beiden Städten abgewiesenworden und belagerten nun nach Ueberschreitung des Hellespont miteinem Theil ihrer Streitkräfte die Städte Thessalonica und Cassandra.Der Rest ihrer Flotte verwüstete die thessalischen und griechischenKüsten, die Inseln Creta, Rhodus, Cypern und selbst die Küsten vonPamphylien in Kleinasien. Die Städte vertheidigten und hielten sich,das offene Land aber wurde durch die Gothen überall furchtbar verwüstetund ausgeplündert. Athen allein erlag ihrem Angriff, wurde aber balddurch Cleodemus wieder befreit, welcher die Gothen überfiel undschlug. Während dessen wurden Thessalonica und Cassandra von denGothen hart bedrängt und waren schon dem Fall nahe , als glücklicher-weise Claudius zu ihrem Entsatz erschien. Auf die Nachricht von seinemAnmärsche hoben die Gothen die Belagerung beider Städte auf und eiltennach Obermösien, um die untere Donau zu gewinnen. Claudius verfolgtesie in Geschwindmärschen, holte sie bei Naissus (h. Nissa oder Nisch)ein und erfocht in einer blutigen Schlacht, in welcher auf beiden Seiten