158 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
selbst wollte sich gegen die Sarniaten und Scythen wenden, welcheIllyrien und die nordwestlichen Provinzen von Asien (südlich vom Kau-kasus und dem Caspischen Meere) verheerten.
Am Rhein gelang es dem Gallienus, unter der Leitung des Postumius.theils durch Unterhandlungen, theils mit Gewalt der Waffen die Ger-manen abzuwehren, und erwarb sich den nicht von ihm verdienten Bei-namen Germanicus Maximus. Er schloss mit einem der germani-schen Fürsten ein Bündniss, worin dieser sich verpflichtete, den Rheinals Grenze zu betrachten und seine Landsleute von Ueberschreitung des-selben abzuhalten (256). Dann wandte sich Gallienus noch im selbenJahre gegen die Alemannen, welche in Italien eingefallen waren, undschlug sie, trotz ihrer überlegenen Zahl bei Mediolanum (Mailand). Zuderselben Zeit hatte Valerian selbst mit Hülfe seiner Feldherren Clau-dius und Probus (spätere Kaiser) in Illyrien einen erfolgreichen Krieggegen die Quaden, Gothen und Sarniaten geführt. Nachdem er diesezurückgewiesen und Illyrien sowie die Donauprovinzen gesichert hatte,wandte sich Valerian gegen die Scythen, welche mit ungeheurer Machteinen Verheerungszug über die kaukasische Landenge nach Kleinasienunternommen hatten. Unter den scythischen Stämmen zeichneten sichbesonders die Boraner aus: sie griffen die römische Grenzstadt Pythiun-tum an, wurden indessen von der Besatzung mit grossem Verluste zu-rückgeschlagen, welche unter dem Befehl des tapferen Tribunen Suc-cessianus stand. Bald aber führten sie einen neuen Einfall aus underoberten Pythiuntum mit Sturm, wo diesmal nicht mehr Successianusbefehligte, da er von Valerianus zum praefectus practorio gemacht war.Daraufwandten sich die Boraner nach Trapezunt, das von einer 10000Mann starken Garnison vertheidigt wurde, erstürmten diese reiche Stadt,plünderten und zerstörten sie, machten eine immense Beute in ihr undkehrten dann nach Verheerung der Provinz Pontus in ihre Heimath ander Ostküste des Pontus Euxinus (Schwarze Meer) zurück. Dort schlössensich andere Stämme ihnen au, bauten unter Anleitung römischer Gefan-gener eine Flotte und fuhren auf dieser längs der Westküste des PontusEuxinus nach Byzanz, während ihr Landheer über die gefrorene Donauging und sich eben dahin dirigirte. Da sie aber Byzanz stark befestigtfanden, segelten sie über den Hellespont und bemächtigten sich Chalce-dons ohne Widerstand, weil die römische Besatzung schimpflich floh.Ein gleiches Schicksal erlitten die reichen Städte Nicomedia. Nicäa, Ciusund Prusa, und nur der hoch angeschwollene Fluss Rhyndacus hielt sievon weiterem Vordringen ab. Nachdem sie Nicomedia und Nicäa denFlammen übergeben und alle die geraubten Schätze auf der Flotte ein-geschifft hatten, kehrten sie in ihr Land zurück (258). Es war dies dererste furchtbare Einfall der Scythen (so nannten die Griechen und