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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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55. Die beixierkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Römer währ, dieser Periode. 157

nebst seinem ältesten Sohne erschlagen, sein Heer ging mit grossem Ver-lust in Unordnung und fast aufgelöst zurück.

Der Senat ernannte den jungen Sohn des Decius, Hostilianus,und den bei den Soldaten beliebten Vibius Gallus (251) zu Kaisem.Da aber Hostilian bald starb, so ernannte an dessen Statt Gallus seinenSohn Volusian. Gallus Hess sich besonders die Befreiung der Donau-provinzen angelegen sein, erlangte dies aber nicht durch Waffengewalt,sondern durch Geld, indem er den Frieden von den Gothen erkaufte undnicht nur ihnen alle ihre Beute beliess, sondern auch alle Gefangenenmitzunehmen erlaubte und sogar einen jährlichen Tribut zuzahlen versprach, wenn sie nicht in die römischen Grenzen einfallenwürden. Durch diesen schimpflichen Handel brachte er die pannonischenLegionen und deren Obersten so auf, dass, als ihr OberbefehlshaberAemilian die Gothen geschlagen, über die Donau gejagt und die ihnenabgenommene Beute unter seine Soldaten vertheilt hatte, diese ihn zumKaiser ausriefen, worauf er nach Italien zog (252). Gallus schickte so-gleich den Legaten Valerianus an den Rhein mit dem Befehle, diegallischen und rheinischen Legionen nach Italien zu führen; er selbstmarschirte mit seinem Heere dem Aemilian entgegen und stiess bei Spo-leto (nach Anderen bei Interamna in Umbrien) auf denselben. Aber nochehe es zur Schlacht gekommen war, ermordeten die Soldaten des Gallusdiesen nebst seinem Sohne und traten auf des Aemilianus Seite (253).

Als Valerian dies erfuhr, beschloss er für des Gallus ErmordungRache zu nehmen und brach gegen Aemilian auf, der noch bei Spoletostand. Das Heer des Letzteren, die Rache Valerian's fürchtend, erschlugden Aemilian und rief Valerian zum Kaiser aus (253)i.

Valerian war für seine Ehrenhaftigkeit bekannt, besass aber nichtdie unter solchen äusserst schwierigen Verhältnissen erforderlichenEigenschaften. Das römische Reich befand sich zu dieser Zeit in höchstbeklagenswerthem Zustande: im Inneren Bürgerkriege, die Folge desunaufhörlichen Wechsels der Kaiser, nach aussen die Schutzlosigkeit derGrenzen, weil die Heere in Rom nöthig waren, um die Macht der Impe-ratoren zu befestigen. Dies Alles und noch viele andere Umstände hattenden Staat so geschwächt, dass er entweder auseinanderzubrechen odereine Beute der äusseren Feinde zu werden drohte. Die Germanen amRhein, die Burgundionen, Carpier, Gothen, Sarmaten u. A. an der Donauund die Perser im Osten, Alle fielen sie gleichzeitig lebhaft und heftigdie Grenzen des römischen Reiches an. Valerian beschloss, ihnen Allenauf einmal die Spitze zu bieten, obgleich er dazu gar nicht im Stande war,und im J. 254, nachdem er seinen Sohn Gallienus zum Cäsar und denerfahrenen Feldherrn Postumius zu dessen Hülfe und Rathgeber er-nannt hatte, schickte er diesen nach Gallien gegen die Germanen, er