134 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
ILegaten die Aufgaben: einerseits die Behauptung von Syrien, andrer-seits die Vertreibung des durch Vologeses eingesetzten Königs von Ar-menien. Es marschirtc daher Avidius Cassius nach Syrien, Priscus undVeras nach Armenien. Sie operirten Alle glücklich und erfolgreich,Cassius brachte den Parthern sogar eine entscheidende Niederlage beider Stadt Europus bei, erzwang den Eupkratübergang mit Gewalt, durch-zog ganz Mesopotamien, unterwarf und zerstörte Seleucia am Tigris,nahm Ctesiphon mit Sturm und zerstörte das darin befindliche Schlossdes Vologeses. Aber bei dem Kuckmarsch nach Syrien verlor er einengrossen Theil seiner Armee durch Hunger und Krankheiten, so dass ernur sehr geschwächt nach Syrien zurückkehrte. Während dessen hattein Armenien Priscus die Hauptstadt Artaxata erobert, Veras hielt diedie aufständische Stadt Cänopolis in Zaum, brachte den Satrapen Tiri-dates in seine Gewalt, einen der Hauptunruhestifter in Armenien, unddrang siegreich bis zum Atropatenischen Medien vor.
Im Uebrigen existiren keine näheren Nachrichten über diesen 4 Jahre(161—165) dauernden Krieg; es scheint aber, dass die Parther aus Ar-menien vertrieben und die früheren Regierungen dort wiederhergestelltwurden. Im J. 166 wurde der Friede geschlossen, welcher ungestört30 Jahre währte.
Obgleich Marc Aurel die hauptsächlichsten Operationen in diesemKriege selber von Rom aus leitete und oft von dort her Trappenverstär-kungen nach Syrien und Armenien schickte, Verus selber aber an demKriege persönlich gar keinen Theil nahm, so erhielt dieser doch drei Malden Ehrentitel Imperator und die Beinamen Armeniens, Parthi-c u s und M e d i c u s und hielt bei seiner Rückkehr nach Rom mit MarcAurel gemeinschaftlich den Triumph, und Beiden wurde vom Senate derehrende Beiname Vater des Vaterlands zuerkannt.
Weit wichtiger war der Marcomannen -Krieg (169—180), wel-chen ein mächtiger Bund germanischer Stämme"), an deren Spitze dieMarcomannen standen, gegen die Römer führte. Die ersten, welche dieFeindseligkeiten eröffneten, waren die Karten, indem sie in Rhätien ein-drangen und selbst in Italien einzufallen drohten. Der Legat DidiusJuli an us in der Folge Kaiser) wehrte sie ab und trieb sie zurück, undvon dieser Zeit an geht ihr Name in dem der Franken auf.
' Bald danach, nämlich gerade zu der Zeit, als die Hauptmacht derRömer in Syrien und Armenien zu thun hatte, begannen die Angriffs-bewegungen der Marcomannen und ihres Bundes. Marc Aurel, um den
*) Der Historiker Julius Capitolinus nennt die Marcomannen, Nariscer,Hermunduren, Quaden, Sueven, Lothringer und Burier, Victovaler, Sosiber, Sigo-boter, Castoboker, Vandalen 'sämmtlich germanischen Stammes), die Sarmaten,Jazygen, Koxolanen, Alanen, Bastarner und Peukiner slawischen Stammes).