1 32 IV. Von Angustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Für alle diese Eroberungen, nämlich: Armenien, Mesopotamien undAssyrien, erkannte der Senat dem Trajan mehrere Triumphe zu, ja sogarso viele, als er selbst zu feiern für gut befinden würde. Diese Erfolgeblendeten und täuschten Trajan hinsichtlich des wahren Nutzens undVortheils für das Reich. Anstatt die neuen Eroberungen zu befestigen,riss ihn die Ruhmbegier zu weiteren Eroberungen fort, so dass er beab-sichtigte gleich Alexander d. Gr. bis zum Indus und Ganges, ja sogar bisans Indische Meer vorzudringen und Rom die dort wohnenden Völker zuunterwerfen! Zu diesem Ende marschirte er das Tigristhal hinab, erobertenicht ohne eigene Gefahr die durch die beiden Arme des Tigris und dasMeer gebildete Insel Messene (im persischen Meerbusen), durchschifftedann mit der Flotte diesen ganzen Meerbusen und die Strasse von Or-muzd und landete, sich nach Süden wendend, an der Küste des Glück-lichen Arabiens, wo er sich in den Besitz eines wichtigen Seehafenssetzte, — sehr zufrieden damit, dass er dies erreicht habe, währendAlexander d. Gr. seine Waffen nicht bis ins Glückliche Arabien getragenhabe! Darauf beschränkten sich aber glücklicher Weise die prahlerischen,aber fruchtlosen Pläne Trajan's; er kehrte auf demselben Wege zurMündung des Tigris zurück, besuchte die Ruinen von Babylon und hieltauf denselben eine Siegesfeier ab zum Gedächtniss an den in dieserStadt gestorbenen Alexander d. Gr.
Hier traten nun aber auch die traurigen Folgen davon hervor, dasser es unterlassen hatte, in seinem Rücken die von ihm gemachten Erobe-rungen zu sichern: in vielen neu erworbenen Provinzen standen die Be-wohner auf, verjagten oder erschlugen die römischen Garnisonen, und eswurde nöthig, die Aufrührer aufs Neue zu unterwerfen. Trajan sandtevon verschiedenen Seiten gegen sie die Legaten Lusius und Maximus.Der Erstere unterwarf Nisibis zum zweiten Male, nahm Edessa mit Sturmund zerstörte es, seine Unterbefehlshaber unterwarfen Seleucia. Maximusdagegen wurde besiegt und erschlagen. Obgleich nun die Ruhe im Orientwiederhergestellt war, so überzeugte Trajan sich doch, dass er seinenweitgehenden Plänen werde entsagen müssen, und statt die Parther zuunterwerfen, setzte er ihnen für den durch sie vertriebenen Chosroes einenanderen König vor, den Parthamaspathes, den er zu Ktesiphon auchfeierlich inthronisirte (116). Dann wandte er sich gegen die von römi-schen Truppen belagerte, von Arabern bewohnte Stadt Hatra (oder Atra),zwischen Nisibis und Tigris, und übernahm persönlich die Leitung derBelagerung. Die Einwohner vertheidigten sich aber mit so viel Hart-näckigkeit und Erfolg, dass Trajan trotz aller Anstrengungen sich ge-zwungen sah, die Belagerung aufzuheben und den Rückmarsch nachSyrien anzutreten. Kaum hier angelangt, erkrankte er und brach aufdringendes Bitten des Senates nach Rom auf (im J. 117). den Oberbefehl