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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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54. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Römer währ, dieser Periode. 131

In diesen beiden Kriegen hatte Trajan es geschickt und erfolgreichverstanden, in seinem Heere die strenge militärische Ordnung und Dis-ciplin zu erhalten, welche in der früheren Zeit Roms geherrscht hatte,indem er selbst das Beispiel dazu gab. Während der Märsche ging er ander Spitze des Heeres zu Fuss, durchschritt die Furten in den Flüssen zuFuss wie der letzte Frontsoldat. und hielt ein unermüdlich wachsamesAuge auf alle Dienstordnungen und Vorschriften im Lager und Felde.Von seinen Unterfeldherren erwähnt die Geschichte hauptsächlich denMauretanier Lucius (oder Lusius) Quietus*/, der die Stadt Singaranach hartnäckiger Vertheidigung einnahm und dadurch Trajan's Zu-neigung in solchem Maasse erwarb, dass dieser ihn zum Prätor undspäter zum Consul ernannte.

Nach Abschluss des Friedens mit Chosroes wandte Trajan sich gegendie nördlich von Armenien zwischen Pontus Euxinus und Caspischem Meerewohnenden Stämme. Den Albanern gab er einen König, die Könige vonIberia (Grusien). Colchis (am Ostufer des Schwarzen Meeresj und der an-deren diesen benachbarten Stämme und Länder nöthigte er zur Anerken-nung der Oberherrschaft Roms. während Lusius auf seinen Befehl denStamm der Marder bekriegte und unterwarf. Darauf unterwarf das ganzeOstufer des Pontus Euxinus bis zur Stadt Dioscurias oder Swastopol sichder Macht Roms. Es ist unbekannt. wie weit die Kriegszüge Trajan'sgegen die kaukasischen Völker sieh ausdehnten. Nur das steht fest, dassnach seinem ersten Feldzuge im Osten er nach Rom zurückkehrte. baldaber aufs Neue wegen eines dort losgebrochenen Aufstandes dahin ab-berufen wurde und im J. 115 in Antiochia bei einem furchtbaren Erd-beben, welches diese Stadt gänzlich zerstörte, mit genauer Noth demTode entging.

Bevor er den zweiten Feldzug gegen die Parther unternahm, befruger auf Anrathen seiner Freunde das Orakel der phönicischen Stadt Helio-polis über den Ausgang dieses Feldzugs. Die räthselhafte Antwort hieltTrajan nicht von dem Beginn des Feldzuges ab: er ging im J. 116 aufeiner Schiffbrücke über den Tigris, drang im beständigen Kampfe mitden Einwohnern des Landes in die Provinz Adiabene ein und unterwarfsie sowohl wie Assyrien und die durch Alexanders d. Gr. Siege be-rühmten Städte Arbela und Gaugamela. Dann ging er über den Tigrisnach Babylon zurück, ohne irgendwo auf Widerstand zu treffen, denndas parthische Königreich war zu dieser Zeit schon aufs Höchste ge-schwächt durch innere Bürgerkriege. Nochmals überschritt Trajan denTigris, bemächtigte sich der beiden Hauptstädte der Parther. Ktesiphonund Susa. und. in ihnen der Tochter und des goldenen Schatzes desparthischen Königs.

*) Nach Dio Cassius; Lusius Quintus. Anmerk. d. Uebers.