122 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
lieh ganz auf Seiten der Römer standen. Hier jedoch erreichte in Folgelügenhafter Aufhetzereien durch einen von ihnen der Zorn der Legionenden höchsten Grad, allein Vocula Hess ohne das mindeste Zaudern denAufhetzer ergreifen und zum Tode führen und hatte dadurch mit einemMale die Auflehnung der Legionare gedämpft, welche einstimmig ihnzu ihrem Oberfeldherrn ausriefen, worauf Hordeonius ihm den Oberbefehlabtrat.
In Novesium stiess die 16. Legion zu Vocula, dem der Legat Heren-nins Gallus als Mitcommandirender beigegeben wurde. Da sie aberBeide mit den muthloseu Legionen nicht nach Castra vetera zu ziehenwagten, so schlugen sie bei Gelduba ein Lager auf, in welchem sie nundurch Erdarbeiten ihre Truppen aufs Neue an Strapatzen zu gewöhnensuchten. Dies zeigt aber, wie schon die vorhergehenden Unordnungen,bis zu welchem Grade zu jener Zeit bei den römischen Truppen die Dis-ciplin gesunken war.
Bald darauf verwüstete Vocula, den Herennius im Lager zurück-lassend, das beuachbarte Gebiet der Gugerner, welche zu der Armee desCivilis Truppen gestellt hatten. Während der Abwesenheit des Voculabeschuldigten die im Lager zurückgebliebenen römischen Truppen denHerennius des Verrathes, und nur die baldige Rückkehr des Vocularettete dem Herennius Hordeonius das Leben. Vocula unterwarf die An-stifter der härtesten Strafe und stellte dadurch die Ruhe und Ordnung imLager wieder her. Der Grund zu allen diesen Unordnungen mochte zumTheil daran liegen, dass die gemeinen Soldaten alle dem Vitellius ergebenwaren, während der grösste Theil der Offiziere sich auf Vespasian's Seiteneigte.
Während dessen verstärkte sich Civilis täglich durch herbeieilendeGermanen, befahl das Land der Ubier und Trevirer zu verwüsten undschickte ein Truppencorps über die Mosa (Maas) in das Land der Mena-pier und Moriner, um die Grenzen von Gallien zu beunruhigen. Die Co-horten der Ubier, gegen welche die Aufständischen ganz besonders er-bittert waren, weil sie den römischen Namen der Agrippinenserangenommen hatten, wurden in einem Treffen bei Marcodurum auf-gerieben. Castra vetera aber wurde immer enger eingeschlossen, damitLupercus nichts von der Nähe der römischen Truppen unter Vocula er-fahre, und Sturm auf Sturm führte das Heer des Civilis aus. Lupercusaber vertheidigte sich ebenso tapfer wie geschickt und wies alle Angriffedes Feindes mit solchem Verluste für den Letzteren ab, dass Civilis end-lich die Erstürmung aufgab und nun suchte, durch heimliche Aufrufeund Versprechungen die Treue der Truppen des Lupercus zu erschüttern.
Die Meldung von der Niederlage des Vitellius bei Cremona verän-derte plötzlich die Lage der Dinge am unteren Rhein. Die gallischen