98 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
als das durchaus Erforderliche und Erlaubte sich befinde. Diese Angabedes Suetonius zeugt einmal von der grossen Anzahl von Fahrzeugen beiden römischen Armeen in Germanien und dann auch davon, dass für dieMärsche daselbst die Heere notwendiger Weise hauptsächlich Wasser-scheiden und die über dieselben führenden Gebirgsstrassen auswähltenund dagegen häufigere Uebergänge über Ströme und Flüsse, über welchekeine Brücke führte, vermeiden mussten.
Weiter sagt Suetonius, dass Tiberius nach dem Uebergänge überden Rhein im Grase sitzend zu Mittag gegessen, die Nacht ohne Zeltunter freiem Himmel zugebracht und alle seine Befehle schriftlich ertheilthabe, damit, wenn dem Einen oder dem Andern etwas nicht klar gewesensei, dieser sich jederzeit, selbst bei Nacht um Aufklärung an ihn wendenkönne. In den Truppen handhabte er eine straffe Disciplin, indem erviele bereits in Vergessenheit gerathene strenge Befehle und Strafmaass-regeln wieder einführte.
Ganz ebenso verfuhr er auch im J. 11, als sich Germanicus bei ihmbefand. Dio Cassius erzählt, dass sie Beide den B^eldzug vom Rhein indas Innere Germaniens unternahmen, einige Gegenden durchzogen, nir-gends auf Widerstand stiessen, Niemanden unterwarfen, aus Furcht,gleich Varus in einen Hinterhalt zu fallen und in Gefahr und Noth zugerathen, sich nicht weit vom Rhein entfernten und im Herbst wieder andenselben zurückgingen. Die Führung des Oberbefehls durch beide Feld-herren, Tiberius und Germanicus, und die Stellung ihrer beiden Armeenam Mittel- und Unterrhein während der 3 Jahre bis zum J. 14 recht-fertigt die Annahme, dass auch im J. 11 die beiden Heere von Mainz undXanten aus in Bewegung und- thätig waren, und dass in letzterem OrteGermanicus commandirte.
Während der folgenden 3 Jahre (II —13) war die Regierung desAugustus aus diesem Grunde und in Folge der Ruhe bei den Germanendurch keine besonderen Kriegsereignisse in Germanien bemerkenswert!].Tacitus erzählt in seinen »Annalen«, dass Augustus dem Germanicus denOberbefehl über die 8 Legionen am Rhein übertragen und dem Tiberiusbefohlen habe, ihn als Sohn'zu adoptiren: aber Kriege zu führen war zudieser Zeit nicht nöthig, ausser in Germanien, und auch hier nur, umdie Niederlage des Varus zu rächen, nicht aber um die Grenzen desReiches zu erweitern. Aurelius Victor fügt, da er erzählt, Augustus seizu Nola am 19. August des J. 14 im 76. Lebensjahre gestorben, hinzu,er habe Rhätien und Illyricum und die wilden Bewohner fremder Länder,aber nicht in Germanien, unterworfen.
Nach dem Tode des Augustus und der Uebernahme der Gewalt durchTiberius gelang dem Germanicus im selben August des J. 14 die Dämpfungeines Aufstandes, nicht der Germanen, sondern der rheinischen