53. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldziige d. Kömer währ, dieser Periode. 99
Legionen (der erste und gleich nach dem Tode des Augustus). WasTacitus darüber in den »Annalen« sagt, enthält die Details der Zusam-mensetzung und Stellung der rheinischen Armee und ist daher sehr-wichtig für die Erklärung der vorhergehenden wie der nachfolgendenEeldzüge in Germanien.
Am Rheine standen zwei Armeen: die eine, oberrheinische, unter■dem Befehl des Legaten Cajus Silius, die andere, niederrheinische, unterdem Legaten Aulus Caecina, beide dem Obercommando des Gerrnanicusunterstellt, welcher sich in Gallien zur Erhebung von Abgaben befand.Die Armee des Silius (im Sommerlager bei Mainz) wartete unschlüssigab, welchen Erfolg der Aufstand des Heeres des Caecina (im Sommer-lager im Gebiete der Ubier, wie man annimmt, beim heutigen Bonn)haben werde. Hier hatten die 21. und 5. Legion das erste Zeichen zurEmpörung gegeben und die 1. und 20. mit sich fortgerissen. Gerade zurselben Zeit hatte Germanicus die Nachricht von dem Tode des Augustuserhalten und sogleich die ihm nächstwohnenden Sequaner wie auch dieBelgier veranlasst, den Huldigungseid zu leisten; dann aber eilte er indas Lager des Caecina. Die Aufruhrer zogen aus dem Lager ihm ent-gegen mit Klagen über die ihrer Entlassung aus dem Dienste bereitetenSchwierigkeiten, über die beschwerlichen dienstlichen Arbeiten und Ver-richtungen, geringe Besoldung u. s. w. Germanicus konnte sich ihnenkaum entziehen und ging in sein Zelt, um einen Kriegsrath abzuhalten.Die Lage war schwierig: die Legionen des Caecina konnten die Haupt-stadt der Ubier (Cöln^, dann auch Gallien plündern; die Germanen wür-den sich dies zu Nutze gemacht haben, um gleichfalls in Gallien einzu-fallen (obgleich die Römer zu dieser Zeit einige Punkte auf dem rechtenRheinufer und das Land in mehr oder minder weiter Entfernung vondemselben in Besitz hatten). Gegen die Aufrührer aber verbündete undHülfs-Truppen zu verwenden, das hätte den Anfang eines Bürgerkriegesbedeutet. Es war Nichts zu thun, — die Ausgedienten wurden entlassen,die Auszahlung des Gehalts bis in die Winterlager verschoben. Die 5.■und 21. Legion zogen aber nicht eher dahin ab, bis sie ihren ganzen Soldvoll ausgezahlt erhalten hatten, wozu Germanicus und seine Freunde alleihre eigenen Gelder zusammenschiesseu mussten. Caecina führte die 1.und 20. Legion nach Cöln, Germanicus begab sich zur Armee des Siliusund vermochte die 2., 13. und 16. Legion ohne Widerrede zum Huldi-gungseide. Die Vexillen in den Garnisonen unter den Chauken (zwischenunterer Weser und Ems) versuchten eine Empörung, wurden aber zurRuhe gebracht, und das ganze Heer bezog Winterlager.
Indess trafen Abgeordnete des Senates bei Germanicus (in Cöln) ein.Die 1. und 20. Legion, sowie die entlassenen Veteranen, welche be-fürchteten , dass diese Abgeordneten ihnen das Bewilligte wieder ab-