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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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53. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Körner währ, dieser Periode. 97

Eroberungssucht der Kömer in Germanien hielt. Seine Anstrengungenwaren keine vergeblichen, verwickelten ihn aber in Kriege mit seineneigenen Landsleuten. Der von ihm belagerte Segest, dessen einem anderngermanischen Fürsten versprochene Tochter Thusnelda er entführt hatte,,rief die Römer zu Hülfe, und es entbrannte ein neuer heftiger Krieg.

§. 367.

Feldzüge des Tiberius und dann des Germanicus in Germanien

(10—16), und des Letzteren in Asien (17—19).

Die Niederlage und der Untergang des Varus versetzten Augustusin solche Betrübniss, dass er ausrief: »Varus, Varus, gieb mir meineLegionen wieder!« — und die Römer geriethen in solchen Schrecken,,dass Augustus, ein Eindringen der Germanen fürchtend, bei Androhungder Todesstrafe gegen Ungehorsam eine sofortige Truppenaushebung be-fahl und den Tiberius herbeirief, um ihn an den Rhein zu schicken.

Tiberius ging, nachdem er Gallien und die Besatzung dieses Landessowie alle befestigten Punkte am Rhein gesichert hatte, im J. 10 beiMainz über diesen Strom und fiel in das Land der Katten ein, um dieden Unterrhein bedrohende Macht der Germanen zur Theilung zu zwingen.Während dessen zog Aprenas mit seinen zwei Legionen den Rhein hinabnach castra vetera (Xanten), um den unteren Rhein gegen die Germanenzu schützen und die Treue der am linken Ufer wohnenden Stämme,welche schon zu schwanken begonnen hatte, zu befestigen. Von hieraus brachte er den auf dem rechten Rhein ufer in Aliso von Germaneneingeschlossenen Römern Hülfe und Entsatz.

Gleich bei seiner Ankunft in Gallien und am Rhein erkannte Tiberiusdie in Folge der Besiegung des Varus in Germanien vor sich gegangeneVeränderung ganz richtig. In kriegerischer Beziehung war das ganzevorherige System der Eroberung Germaniens durch die Märsche zur Elbehin und sodann das Vorgehen von zwei Seiten gegen Marbod zerstört, amRhein blieben nur noch zwei feste Vertheidigungspunkte, bei Mainz, undXanten. Noch wichtiger aber war es, dass all' die vorhergegangene Müheder Römer, die Germanen durch den Einfluss der römischen Civilisationzu bilden, mit einem Schlage vernichtet war. Daher wurden alle Opera-tionen des Tiberius in den Jahren 10 und 11 auf dem Rheinufer mit dergrössten Vorsicht unternommen. Suetonius bemerkt, dass er nicht einenSchritt ohne Zusammenberufung des Kriegsraths gethan habe, währender bis dahin ganz selbständig und nach eigenem Ermessen gehandelt habe.So liess er beim Uebergang über den Rhein den ganzen Train, für welchener bestimmte Vorschriften gegeben hatte, nicht eher übergehen, als bis ersich persönlich am Ufer überzeugt hatte, dass in keinem Fahrzeuge mehr

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. I, 5. 7