96 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
ändern. Nachdem er in Kom die Kriegskunst erlernt hatte, kehrte ergerade zu der Zeit nach Germanien zurück, als Varus die dort stehendenrömischen Truppen befehligte. Varus war, nach dem Ausdrucke eineszeitgenössischen römischen Schriftstellers : »arm in das reiche Syriengekommen und hatte reich das arme Syrien verlassen«. Die Unver-schämtheit und die Erpressungen des Varus und seiner römischen Unter-gebenen erregten den gerechten Unwillen der Germanen, welcher sichnoch in Folge der von Varus versuchten Einführung römischer Gesetzevermehrte. Der feurige Hermann sann auf Befreiung seines Vaterlandes,wozu er den Augenblick günstig glaubte; da er aber nicht hoffen konnte,dies im offenen Kampfe zu erreichen, so griff er zur List. Den Scheinvollkommenster Ergebenheit gegen Rom annehmend, bemühte er sichund gelang es ihm, die Fürsten fast aller germanischen Stämme zwischenRhein und Elbe zum Aufstande zu bewegen. Umsonst benachrichtigteS e g e s t, der Fürst der Katten und Verbündete der Römer, den Varusvon der ihm drohenden Gefahr; der unkluge Varus spottete seiner Vor-sorge , Hermann verdoppelte seine Anstrengungen zur Zerstreuung allerZweifel und Erhöhung der Sorglosigkeit desselben. Er lenkte die Auf-merksamkeit desselben auf die vereinzelten Empörungen, welche in denverschiedenen entfernten Theilen Germaniens, von Hermann selbst behufsTheilung der Kräfte des Varus angezettelt, ausgebrochen waren. Alssich bei Varus nur noch 3 Legionen, einige Cohorten und die germani-schen Hülfstruppen befanden, wurde der Aufstand allgemeiner. Hermannund seine Gesinnungsgenossen überredeten den Varus, dass es uuerläss-lich sei, aufzubrechen, um den Aufstand an Ort und Stelle niederzu-schlagen , und nicht abzuwarten, bis die Empörer gegen ihn anrückten.Abermals warnte Segest den Varus, aber vergeblich; Varus hörte nichtauf ihn und drang tiefer in das Land ein. Nach höchst beschwerlichenMärschen kam er in den mächtigen und undurchdringlichen TeutoburgerWald in das Land der Brukterer (nahe dem heutigen Detmold), und dort,zwischen Bergen und ungangbarem Terrain, sah er sich von allen Seitenumringt, auf den Bergen und in den Engpässen standen die Germanen,und Varus erfuhr, dass Hermann ihr Anführer war. Die germanischenHülfstruppen gingen zu diesem über, und nach dreitägigem grausamemund blutigem Kampfe wurden die römischen Truppen, welche Wunderverzweifelter Tapferkeit vollbrachten, total besiegt und bis auf den letztenMann niedergemacht (nur Wenigen gelang es unter dem Schutze derNacht zu entkommen). Varus entleibte sich. Hermann blieb hiernachnicht unthätig, zerstörte die von den Römern an Elbe, Weser und Rheinerbauten Befestigungen und bemühte sich, nachdem er Germanien be-freit hatte, mit allen Mitteln in den Germanen das kriegerische Feuerzu nähren, welches er mit Recht für den besten Schutz gegen die