53. Die beiuerkenswertliesten Kriege u. Feldziige d. Römer wiilir. dieser Periode. 95
am Rhein wohnenden Stämme (vermuthlich die Marsen und Sigambrer),damit, wenn Varus gegen diese marschirte, er um so leichter überfallenwerden könne, als wenn Alle auf einmal aufstanden. Und als er sich inMarsch gesetzt hatte, brachen die hinter im Wohnenden auf, als ob siesich sammeln und als Hülfstruppen zu ihm stossen wollten. Aber nach-dem sie die an bestimmten Orten schon heimlich bereit stehenden Truppenan sich gezogen und die ihnen zugetheilten römischen Corps niederge-macht hatten, folgten sie ibm nach, und als er dann in die dichten Wäldergezogen war, aus welchen kein Ausweg führte, machten sie mit einemSchlage sein ganzes Heer nieder und bewiesen, dass sie Feinde, aberkeineswegs Unterthanen der Kömer sein wollten.
So lauten die in römischem Sinne und Anschauung von den römi-schen Schriftstellern verfassten Erzählungen dieser Begebenheiten. Dieneuere historische Forschung hat sich eingehend und vielseitig, nament-lich in Deutschland, hiermit befasst, weil der Sieg der Germanen überVarus und die Vernichtung seiner Legionen im Teutoburger Walde diepolitische Unabhängigkeit Deutschlands, die selbständige Entwicklungder deutschen Nation und Sprache, ihre Sitten und Gebräuche von derMacht und dem Einflüsse Roms errettete. Ausserdem sind diese Ereig-nisse besonderer Beachtung werth auch in Hinsicht des Vergleiches zuden späteren Schicksalen der slawischen Stämme, wovon später anseinem Orte Erwähnung geschehen wird.
Auf Grund der neueren historischen Forschungen stellt sich dieseswichtige und bedeutungsvolle Ereigniss im Wesentlichen nun folgender-inassen dar:
Die Siege des Drusus hatten dem römischen Reiche alles Land derGermanen zwischen Rhein, Elbe und Saale hinzugefugt. Um die kriege-rischen Bewohner dieser Gegenden Germaniens niederzuhalten, ergriffendie Römer alle Maassregeln, welche ihnen die gesunde Vernunft und ihreKenntniss von dem Charakter der unterworfenen Stämme an die Handgeben konnte. Einige dieser Stämme, wie die Sigambrer, wurden aufdem linken Rheinufer und sogar im Innern Galliens angesiedelt, dieTreue der übrigen sicherten sich die Römer durch Geiseln und indemsie die Kinder der vornehmsten germanischen Fürsten in Rom auf rö-mische Weise erziehen und ausbilden Hessen. Unter diesen befand sichauch Hermann (bei Tacitus und den übrigen römischen Historikernwird er Arminias genannt), der Sohn des Sigimer, des Hauptes undvornehmsten Fürsten der Cherusker, der im J. 1 8 (nach Andern 16) v. Chr.geboren war. Aber weder das Wohlwollen des Augustus, noch die Vor-züge römischer Bildung konnten die ihm in Germanien eingeborenenEigenschaften : deutschen Sinn, Liebe und Anhänglichkeit an sein Vater-land , an die Religion, Sitten und Gewohnheiten seiner Altvordern um-