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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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92 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keichos.

da mit vereinten Kräften längs des Thüringer Waldes bis Pilsen hin warunvergleichlich beschwerlicher. In dieser concentrischen Direktion derbeiden Armeen von den beiden entgegengesetzten Enden Germaniensnach dem einen Punkte, ßudweiss, hin, muss man aber die Kunst desentworfenen Planes des Tiberius wie die genaue Kenntniss der geo-graphischen und topographischen Beschaffenheit des zwischen beidenAusgangspunkten, besonders zwischen Unterrhein und Lippe und Bnd-weiss, gelegenen Landes anerkennen. Dazu hatten wahrscheinlich dievorhergegangenen Feldzüge des Drusus, Tiberius und Domitius, wie diezu den römischen Heeren gehörenden speculatores und exploratores bei-getragen. Und wenn der Entwurf des Tiberius vollkommen zur Aus-führung gelangt und Böhmen von den Römern unterworferiVorden wäre,so wäre das ganze Germanien zwischen Rhein, Main und Donau ab-gerissen worden, die römische Macht hätte sich über den Thüringer Waldund die böhmischen Gebirge erstreckt, und wahrscheinlich wäre derBund der Alemannen nicht entstanden, welcher die Macht Roms zer-trümmerte.

Aber der bedrohliche Aufstand der Pannonier, Dalmatier u. s. w.im Rücken des Tiberius zwang diesen, sogleich Frieden mit Marbod zuschliessen, um sich gegen Pannonien und Dalmatien zu wenden. Dieaufständischen Bewohner dieser Länder verbanden mit ihrer natürlichenWildheit und verwegenen Tapferkeit auch eine gewisse Bekanntschaftmit römischem Kriegswesen und römischer Kriegskunst. Sie eröffnetenden Krieg (im J. 6 n. Chr.) indem sie aller Orten sämmtliche römischeBeamte und Kaufleute erschlugen, dann in Macedonien einfielen und diesmit Feuer und Schwert verwüsteten. Die Kunde hiervon verbreitete inRom solchen Schrecken, dass Augustus selber im Senate erklärte, wennnicht ungesäumt die energischsten Maassregeln getroffen würden, sowerde der Feind binnen 16 Tagen vor den Thoren Roms stehen. In Folgedessen wurden in grösster Eile Truppen ausgehoben, von allen Seitendie Veteranen einberufen und dem Tiberius der Oberbefehl übertragen.Ehe aber noch Tiberius in Pannonien einrücken konnte, ging der römischePrätor Misius Caecina Severus den Pannouiern entgegen, überfiel sie un-vermuthet an der Drau, besiegte sie in einer blutigen Schlacht nicht ohnegrosse Anstrengungen und Verluste, behauptete das Schlachtfeld undverstärkte sich durch neue Truppen und Bündnisse. Das war ein grossesGlück für Tiberius wie für Rom. Tiberius rückte nun endlich in Pannonienein, ihm voraus das kleine Heer des Valerius Messaninus, des aus Pan-nonien und Dalmatien vertriebenen Statthalters dieser Provinzen. An-fänglich von Bato im offenen Felde besiegt, schlug er diesen seinerseits,aus einem Hinterhalte hervorbrechend. Von jetzt an verwandelte sich derKrieg in eine Reihe von einzelnen Treffen, da Bato einer allgemeinen