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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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53. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Körner währ, dieser Periode. 91

Gegner nicht in seiner Flanke und Rücken stehen lassen wollte und daherim J. 6 n. Chr. beschloss, ihn von verschiedenen Seiten zugleich anzu-greifen. Seinen Plan, die Vorbereitungen dazu und die Ausführung selbststellt Vellejus Paterculus in folgender Weise dar: Sentius Saturninus er-hielt von ihm den Auftrag, aus den Winterlagern ad Caput Juliae (Grü-ningen) und Gastra Vetera (Xanten) die rheinischen Legionen durch dasLand der Katten und den hercynischen (h. Thüringer) Wald nach Bojo-hämum zu führen, wie das Land hiess, in welchem sich der Mittel-punkt des Marbod'schen Bundes befand. Tiberius selbst sollte zur selbenZeit von Camutum (h. Hainburg a. d. Donau zwischen Wien und Pesth)aus, als dem nächsten Punkte im Norischen, die illyrischen Legionendorthin führen. Für beide Armeen waren 12 Legionen (etwa 72000 Mann)bestimmt, unter welchen sich auch die in Pannonien und Dalmatien dis-locirten befanden. Mit diesem Plane einverstanden, hatte Tiberius schonein Winterlager an der Donau errichtet und dem Saturninus, der nurfünf Tagemärsche von der Hauptstadt der Marcomannen entfernt stand,den Auftrag gegeben, seinen Angriff zu beginnen und sich mit Tiberiusan dem vorbezeichneten Punkte inmitten des Marbod'schen Gebietes zuvereinigen, als zur selben Zeit nach dem Abmarsch der Legionen ausPannonien und Dalmatien beide Länder nebst den ihnen benachbartenStämmen sich gegen die Römer erhoben. Ihre Streitmacht unter Führungdes Bato war allmälig auf 800000 Mann angewachsen; mit '/ 3 derselbenwollte Bato zwischen Tergeste undNauportus in Italien, mit dem andernj/i in Macedonien eindringen, das dritte !/g zurückbehalten zum Schutzedes eigenen Landes.

Das brachte den Tiberius in eine sehr schwierige Lage. Bevor wiraber schildern, wie er aus derselben loskam, müssen wir einige Worteüber seinen Angriffsplan gegen Marbod sagen. Die äussersten Anfangs-punkte zu dem Vormarsch des Tiberius und des Saturninus, Hainburgund Xanten, lagen in gerader Linie 100 deutsche Meilen von einanderentfernt, und diese Linie ging über das heutige Budweiss, Pilsen, Eger,Frankenwald, Thüringer Wald, Cassel, Paderborn. Der Ort, wo Marbodstand, nach des Vellejus Paterculus Angabe 200 röm. Meilen von derGrenze Italiens ab, ist in der Umgegend von Budweiss zu suchen, darumwurde auch sowohl Tiberius als Saturninus, auf diesen Punkt hin dirigirt.Hierbei vereinfachte sich für Tiberius die Aufgabe des Marsches gegenBudweiss dadurch, dass er seine Armee auf Schiffen die Donau hinaufbis Krems und Mautern oder Linz führen konnte, Orte, welche fünf Tage-märsche von Budweiss entfernt lagen, d. h. ebenso weit, als Saturninusvon der marcomannischen Grenze stand. Aber der Marsch dieses Letz-teren von Xanten und Grüningen durch das Gebiet der Katten, con-centrisch, wie man annimmt, gegen Gerstungen an der Werra und von