53. Di e bemerkenswerthesten Kriege u. Feldziige d. Römer währ, dieser Periode. 93
Schlacht auswich. Im folgenden Jahre, 7, ward Pannonien unterworfen,und es blieb nur noch Dalmatien zu unterwerfen übrig. Tiberius eröffneteunter Zurücklassung des Marcus Lepidus mit einem Theile der Armee inPannonien den Feldzug in Dalmatien mit dem andern Theile. Augustus,der ihm schon nicht mehr ganz traute, schickte im J. 8 ihm seinen NeffenGermanicus (Sohn des Drusus) mit Hülfstruppen zur Unterstützung.Trotz seiner Jugend operirte Germanicus so klug und geschickt, dass erim selben Jahre noch die Makäer unterwarf, einen der HauptstämmeDalmatiens. Später (in den Jahren 9 und 10) erlitt er bei einem erfolg-losen Sturm auf die Stadt (Rhizon oder) Rätium grossen Verlust, unter-warf aber Seretia und viele andere Städte. Darauf theilte Tiberius seineArmee in drei Theile: den einen übergab er dem Legaten Silvanus, denandern dem Marcus Lepidus, mit dem dritten wandte er sich mit Ger-manicus gemeinschaftlich gegen Bato. Der Letztere zog sich zurück undschloss sich in die Bergfestung Anderium ein, wo er durch die Römerbelagert wurde. Hier entspann sich ein blutiger Kampf, in welchem dieRömer obsiegten. Germanicus zog weiter, belagerte die Stadt Ardubaund überwältigte sie nach hartnäckigem Widerstände. Danach unterwarfsich ein grosser Theil der übrigen Städte Dalmatiens gleichfalls den Rö-mern, und Germanicus, dem Legaten Posthumius die Unterwerfung derandern übertragend, vereinigte sich (Ende des J. 10) wieder mit Tiberius.Bato, vou Allen verlassen, bat demüthig bei.Tiberius um Frieden, indemer sich auf die Unerträglichkeit der Bedrückungen und Erpressungen derrömischen Statthalter berief. Der Friede wurde geschlossen, war abernicht von langer Dauer, da die Aussaugung Dalmatiens durch die Römernicht aufborte. Der Krieg in Pannonien und Dalmatien kostete den Rö-mern grosse Opfer an Geld und den besten Truppen.
Aber zu derselben Zeit, als Rom die Siege des Tiberius und Ger-manicus in Pannonien und Dalmatien feierte, traf die Nachricht von derVernichtung der römischen Armee in Germanien ein und verwandelte dieallgemeine Freude in allgemeine Trauer.
Die Erzählungen der römischen Historiker über diesesEreigniss ent-halten keinerlei Angaben in Bezug auf die Kunst der römischen Krieg-führung in Germanien zu dieser Zeit. Sie sind aber dadurch wichtig,dass sie die Verhältnisse darstellen, in welchen Tiberius nach seinenFeldzügen in den Jahren 4 und 5 n. Chr. in Germanien die römischeArmee daselbst zurückgelassen hatte.
Dio Cassius sagt, dass die Römer einige Punkte in Germanien nichtauf einmal, sondern nach und nach, den Umständen gemäss, besetzten.Die römischen Truppen standen daselbst in Winterlagern; es wurdenStädte erbaut, Märkte eröffnet, friedliche Beziehungen mit den Barbarenangeknüpft, und diese Letzteren, obschon durch den Einfluss der römi-