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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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90 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

Seite, brach die Macht der Longobardcn, des wildesten von den germani-schen Völkern, und führte endlich seine Legionen vom Rhein 400 röni.Meilen weit (= 80 deutschen) bis zur Elbe und über diesen Strom.Seinem Glücke, seiner Fürsorge und weisen Zeitberechnung verdanktendie Römer es, dass ihre Flotte, stets an der Küste der Nordsee vomUnterrhein bis zur Elbe entlang fahrend, diesen Strom hinaufsteuertc undsich mit der Armee des Tiberius bei deren Lager am linken Ufer ver-einigte. Nachdem alle Stämme überall, wo die römische Armee durchzog,ohne Verluste auf Seiten der Römer besiegt waren, zog Tiberius seinHeer in ein Winterlager an den Quellen der Lippe zurück und kehrte fin-den Winter selber nach Rom zurück. »Und nicht ohne Grund« sagtVellejus Paterculus »schrieb er, als er später aus Germanien abberufenwurde, an Germanicus, dass er, neun Mal von Augustus nach Germaniengeschickt, mehr Erfolge durch Klugheit , als durch Gewalt erlangthabe!« In der That scheint es unzweifelhaft, dass Tiberius durch diegleichzeitigen Operationen von Heer und Flotte, theils durch Gewalt derWaffen, grösstentheils jedoch durch friedliche Unterhandlungen, welcheer stets vorzog, dem römischen Einflüsse sowohl die Küstenbewohner alsdie um die Weser ansässigen Cherusker zu unterwerfen gewusst hatte.Es fehlt aber bei alledem an Beweisen dafür, dass die Römer ihre Machtdauernd noch weiter als bis an die Winterlager der Lippe-Quelle befestigthaben, und die mancherlei Erzählungen, dass Sentius Saturninus aufBefehl des Tiberius bis zur Weichsel vorgedrungen sei und dies Landsogar unterjocht habe, sind unglaubhaft. Als Resultat der beiden Feld-züge des Tiberius überhaupt ist die Sicherung des ganzen Theiles vonGermanien zu betrachten, welchen Drusus auf dem rechten Rheinuferschon dauernd in Besitz genommen hatte, und die Erlangung freund-schaftlicher Beziehungen zu den Seeküsten.

Inzwischen hatte in dem weiten von den Marcomannnen bewohntenGebiete ih. Böhmen und weiter bis zur Donau) deren Fürst Marbod(Maroboduus) einen mächtigen Bund aller dieser Stämme unter seinerOberhoheit gestiftet, dessen Ausdehnung sich bis auf 200 röm. Meilen{«= 40 deutschen) von der römischen Grenze erstreckte. Er hatte alsJüngling römische Erziehung genossen und stellte nun 70000 Mann zuFuss und 4000 Mann zu Pferde auf, die ganz nach römischem Musterbewaffnet, formirt und ausgebildet waren. Mit grossem Verstände undeisernem Willen begabt, befolgte er gegen die Römer die kluge Politik,dass er feindliche Zusammenstösse mit ihnen vermied, freundliche Be-ziehungen zu ihnen unterhielt, sie aber auch nicht fürchtete und unbe-kümmert die von ihnen Ausgewiesenen oder die von ihnen entflohenenFeinde aufnahm. Es ist sehr natürlich, dass Tiberius bei seinem weiterenVordringen vom Rhein nach Osten in das Innere Germaniens einen solchen