53. Diu bemerkenswerthesten Kriege u. Feldziige d. Romer währ, dieser Periode. 89
Theil der von den Marcomannen verlassenen Länder die Hermundurenansiedelte, welche gleichfalls ihr Land verlassen hatten und in Ger-manien umherirrten , um sich ein andres Gebiet zu suchen (die germani-schen Stämme befanden sich fortwährend auf ähnlichen Wanderzügen).Er ging auch ohne Widerstand über die Elbe (wie man glaubt, beim heu-tigen Dommitzsch) und schloss freundschaftliche Verträge mit den aufdem rechten Ufer wohnenden Stämmen. Als er den Rückmarsch nachRom angetreten hatte und mit Hülfe benachbarter Stämme einen Theilder Cherusker in ihr Land zurückfuhren wollte, aus dem sie durch ihreStammesgenossen verdrängt worden waren, gelang ihm dies nicht undhatte nur zur Folge, dass auch die anderen Barbaren die Römer ver-achteten.« Indessen kann man in diesem friedlichen Zuge des Domitiusnichts Anderes sehen, als eine grosse Recognoscirung des Landes bis zurElbe jenseits derselben, durch welche er Nachrichten über diese Land-strecken und über die Verbindungen ihrer Bewohner mit den Stämmenim Rücken des neuen und grossen marcomannischen Bundes (im heutigenBöhmen) erlangen wollte, gleichsam zur Vorbereitung auf deren spätereBesitzergreifung durch die Römer. Es ist hierbei zu bemerken, dasswährend der Zeit vom J. 7 v. Chr. bis 4 n. Chr. der gegenseitige Zu-sammenhang zwischen den germanischen Stämmen auf dem rechtenRheinufer sich bereits zu lockern begonnen hatte.
Nach Domitius commandirte Vinicius die Legionen am Rhein (2 vorbis 3 n. Chr.), über Kriegsthaten desselben in Germanien ist aber Nichtsbekannt.
Als Tiberius im J. 4 n. Chr. wieder an die Spitze der Legionen trat,wurden neue Angriffsoperationen begonnen, diesmal aber gegen dieStämme, welche an der Küste der Nordsee zwischen Rhein, Weser undElbe wohnten. Diese Operationen wurden schon im ersten Feldzugedurch eine Flotte auf dem Meere unterstützt, welche im zweiten Feldzugedie Elbe hinauffuhr und sich mit der Armee des Tiberius vereinigte.Vellejus Paterculus stellt diese Feldzüge in folgender Weise dar: ImJ. 4 n. Chr. brach Tiberius vom Unterrhein und der Lippe nach Ostenauf, unterwarf die Caninefater, Attuarier und Brukterer, brachte dieCherusker auf seine Seite, überschritt die Weser, rückte in das jenseitigeLand ein , erlangte bis zum Winter alle Vortheile eines vollkommen er-folgreichen Feldzuges und kehrte für den Winter persönlich nach Romzurück, der Armee unter dem Befehle des Sentius Saturninus ein Winter-lager ad caput Juliae (h. Grüningen in der Wetterau zwischen Lahnund Wette) anweisend. Im Frühjahr 5 kehrte er in dieses Lager zurückund unternahm einen zweiten ebenso siegreichen Feldzug, trug die römi-schen Waffen durch ganz Deutschland, besiegte Völker, deren Namenbis dahin noch ganz unbekannt waren, brachte die Chauken auf seine