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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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Seite
88
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88 ' IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

§. 365.Feldzüge des Tiberius in Germanien (87 v. Chr.)

Nach des Drusus Tode geriethen die von ihm unterworfenen Stämmeaufs neue in Bewegung, um sich vom Joche der Römer zu befreien. Au-gustus selbst sah sich veranlasst an den Rhein zu reisen, überschritt ihnaber nicht und vertraute die Fortsetzung des Krieges gegen die Germanenund die Vollendung des von Drusus begonnenen Werkes dem Tiberiusan. Der Schrecken der Namen Augustus und Tiberius bewog viele amRhein wohnende Stämme um Frieden zu bitten; die Sigambrer alleingriffen zu den Waffen und erhoben sich und baten später vergeblich umFrieden. Die Einzelnheiten der beiden Feldzüge des Tiberius über denRhein nach Germanien und deren Resultate sind unbekannt. Gewissist nur, dass die Bewegungen und Operationen des Tiberius sich in denTbälern der Flüsse Ruhr, Sieg und Lahn abspielten, und dass 40000 Si-gambrer (die Voreltern der späteren austrasischen Franken) gezwungenwurden, vom rechten auf das linke Rheinufer überzusiedeln und dortColonien oder Niederlassungen zu gründen. Die ihnen benachbartenStämme wurden zur Unterwerfung unter die Römer gezwungen. VellejusPäterculus sagt bei dieser Gelegenheit, dass Tiberius es verstanden habe,die von Augustus ihm auferlegte schwere Aufgabe des Krieges gegen dieGermanen mit dem ihm eigenen Geschick und Talent auszuführen: sieg-reich durchzog er alle Theile Germaniens zwischen Rhein und Weserohne den geringsten Verlust bei seinem Heere, dem er besondere Sorgfaltwidmete. So nachdrücklich unterwarf er diese ganze Gegend, dass siekaum sich von einer römischen Provinz unterschied. Dafür erlaubte Au-gustus ihm, von der Armee den Ehrentitel Imperator anzunehmen undeinen Triumph zu feiern, ernannte ihn wiederholt zum Consul und ober-sten Befehlshaber der rheinischen Armee an Stelle des Drusus. Abergerade zu derselben Zeit, als das Glück dem Tiberius in solcher Weiselächelte, beschloss er, noch in der Blüthe der Jahre und der Kraft, sichvon den Staatsgeschäften und von Rom zu entfernen (er ging nachRhodus).

§. 356.Operationen in Germanien, Pannonien und Dalmatien seit dem J. 6v. Chr. und Vernichtung der Armee des Varus im Teutoburger Walde

im J. 9 n. Chr.

Nach der Entfernung des Tiberius kam bis zum J. 4 n. Chr. keineAngriffsoperation der Römer gegen Germanien vor. Dio Cassius erzähltnur, dass »Domitius Ahenobarbus, der Befehlshaber der Legionen an derDonau und seit des Tiberius Abgang am Rhein (62 v. Chr.), in einem