4£ Die bemerkenswerthesten Kriege u. Fcldziige d. Kümer wiihr. dieser Periode. 87
tigen Mainz aus unternahm und eine neue Strasse mit Befestigungenzwischen Taunus und Main in das Innere Germaniens anlegte.
Im Frühling des J. 9 v. Chr. drang Drusus vom mittleren Rheindurch das Land der Katten in das der Sueven ein, stiess aber von ihrerSeite auf den heftigsten Widerstand und war genöthigt jeden Schritt mitgrossem Blutvergiessen zu erkämpfen. Von da wandte er sich gegen dieCherusker, ging über die Weser und durch den dichten HercynischenWald und drang, das Land ringsum verheerend . bis zur Elbe vor, be-mühte sich aber vergebens diesen Strom zu überschreiten, wahrscheinlichweil derselbe zu breit war und zu schnell strömte; die Sage erzählt voneinem Unheil verkündenden Gesichte, das ihm den Uebergang wehrenderschienen sei. Nachdem er am linken Ufer Sieges-Trophäen, mehrereSchanzen und Forts errichtet hatte, trat er den Rückmarsch zum Rheinan, den er aber nicht mehr erreichte, da er erkrankte und starb (mannimmt an, dass dies in der Gegend des heutigen Waldorf nördlichSchlüchtern zwischen fränkischer Saale und Rhein geschah). Sein Leich-nam wurde in Rom mit grossem Pomp bestattet, ihm und seinen Söhnender Beiname Germaniens beigelegt, und zu seinem Gedächtniss er-richtete man an den Ufern des Rheins Statuen, Triumphbögen und pracht-volle Denkmäler.
Auf diese Weise hatte Drusus mit Geschick und Erfolg den weisenPlan des Augustus ausgeführt, indem er Gallien von Germanien durcheine starke Vertheidigungs- und Verschanzungslinie im Rheinthale vonBasel bis Nymwegen getrennt hatte, welche mit der einen Front gegenGermanien, mit der andern am Fusse der Vogesen gegen Gallien gewendetwar. Ferner hatte er nach einander drei offensive Züge unternommen :1) den Rhein hinab gegen die Friesen und Chauker, — 2) vom Unter-rhein zur mittleren Weser, — und 3) vom Mittelrhein gegen die mittlereElbe und Saale, — und alle diese Züge hatte er gesichert und vondauernder Wirkung gemacht durch die Aufführung von Schanzen, welcheer mit Besatzungen versah. Die beiden ersten Züge waren vollkommenerfolgreich gewesen, der letztere dagegen scheint nicht den rechten Er-folg gehabt zu haben. Jedenfalls aber gebührt Drusus die Ehre, zuersteine feste und sichere Operationsbasis am Mittel- und Unterrhein ge-schaffen und von ihr drei befestigte Strassen nach Germanien angelegtzu haben, die eine bis zur Nordseeküste, die beiden andern zur Weseund Elbe. Und diese geschickten Märsche und Operationen des Drususblieben nicht ohne erspriessliche Folgen für die Römer: so lange er lebte,hielten sich die von ihm unterworfenen Völker ruhig und fingen schon ansich an die Römer zu gewöhnen, welche ihrerseits durch strenge Disciplinsich ihre Achtung erwarben.