52. Kurzer historischer Ueberblick der Kriege Roms in dieser Periode. 81
Befreiung Galliens von den Franken , Vandalen und Burgunden, welchees in Besitz genommen hatten. Nachdem er sie vertrieben, beschloss ersie in ihrem eigenen Lande anzugreifen und den Versuch zur Unter-werfung Germaniens zu machen, da er überzeugt war, dass, wenn erdieses Land nicht in eine römische Provinz verwandle, er niemals aufdauernde Ruhe an den Grenzen werde rechnen können. Aber ein sochesUnternehmen, bereits unter Augustus misslungen, war jetzt ganz unaus-führbar : Rom hatte keine Kraft und Neigung mehr zu Eroberungen oderzu Angriffskriegen, es war nur darauf angewiesen, sich zu vertheidigen,um nicht unterzugehen. Der Versuch des Probus liess dies deutlich vonAllen erkennen zum Schaden Roms. Obgleich Probus im J. 277 überden Rhein ging und in das Innere von Germanien eindrang, so mussteer sich doch bald von der Unmöglichkeit einer Unterwerfung überzeugenund beschränkte sich nur auf Errichtung einer festen Linie von der Donau(beim heutigen Regensburg) bis zum Rhein, auf Ansiedelung einer Mengegefangener Germanen in Gallien und anderen benachbarten Provinzendes Reiches, an Rhein und Donau, stellte eine Anzahl Germanen in dasrömische Heer ein und vertheilte die germanischen Truppen in die Le-gionen. Allein diese Maassregeln waren mehr schädlich und gefahrbrin-gend, als von Nutzen: in das Innere des Reiches drangen grosse Massenvon Germanen ein und Hessen sich darin nieder, welche, von Jugend aufnur an Krieg und Jagd gewöhnt, keine Arbeit aushielten, zu sesshaftemLeben und Ackerbau unfähig, dabei unruhig und zu Empörungen geneigtwaren. Folglich hatte Probus dem kranken Staate noch ein gefährlichesElement eingeführt, — eine sehr unkluge Politik. Uebrigens erhieltProbus, indem er auf einige Zeit Ruhe an den Grenzen gegen Germaniengeschaffen hatte, freie Hand zu einem Zuge nach Osten und zur Befesti-gung der friedlichen Beziehungen zu den Persern. Während dessenwehrten seine Legaten den äthiopischen Stamm der Blemmyer (Ne-ger) von Aegypten ab. Bei seiner Rückkehr nach Rom feierte Probuseinen ebenso glänzenden Triumph wie Aurelian und bemühte sich dannden Staat zu beruhigen und dessen Wunden zu heilen. Um das Heernicht in Müsse und Unthätigkeit zu lassen, fing er zum ersten Male an,es zu Arbeiten des Ackerbaues zu verwenden und liess durch die Sol-daten den Weinbau nach Gallien und Pannonien verpflanzen. Die Arbei-ten, zu welchen sie früher gebraucht worden, als: Ausführung vonKriegsbauten und Werken, Strassen u. s. w., hielten die Soldaten ihremBerufe entsprechend, aber ihre Verwendung zum Ackerbau erregte ihreUnzufriedenheit und demnächst vereinzelte Unruhen, wie in Aegypten(Saturninus), in Gallien (Bonosus und Proculus) u. s. w., endlich offeneEmpörung. Im J. 282 nämlich zog Probus seine Armee an der Donau
Gulitziu, Allgera. Kriegsgeschichte. 1,5. 6