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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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80 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

sich zum Uebergange nach Kleinasien an, als er im März 275 ermordetwurde, nicht durch die Truppen, sondern durch alte Offiziere , in Folgeeiner Verschwörung, welche durch die Betrügerei seines PrivatsekretärsMnestheus angezettelt war. Die Legionen betrauerten aufrichtig den Toddes zwar ausserordentlich strengen, aber kriegerischen und siegreichenAurelian, namentlich als der Betrug des Mnestheus ans Tageslicht kam.Der Letztere wurde gezüchtigt, und die alten von ihm betrogenen Offizieredrückten ihre Schuld dadurch aus, dass keiner von ihnen begehrte, zumKaiser ausgerufen zu werden. Nun ereignete sich das Seltsame, imrömischen Reiche noch nicht Dagewesene: die Armee- überliess demSenate die Wahl eines Kaisers aus seiner Mitte, und der Senat lehnte esab und überliess das Recht der Wahl dem Heere, und dies wiederholtesich drei Mal. Ueber diesen Verhandlungen zwischen ihnen verstrichmehr als ein halbes Jahr, und wenn während dieser ganzen Zeit keineinziger Thronbewerber auftrat, kein Aufruhr, kein feindlicher Einfallstattfand, so kann man hierin nur die wohlthätigen Folgen der Festigkeitund Strenge Aurelian's, wie seiner militärischen Gaben und seines krie-gerischen Geistes sehen. Wären alle oder wenigstens viele römischeKaiser ihm gleich gewesen, so hätte die Einheit, Selbständigkeit undSicherheit noch lange erhalten bleiben können.

Als endlich der Senat in die Wahl eines Kaisers aus seiner Mitteeinwilligte, fiel dieselbe am 25. Septbr. 275 auf den 75jährigen SenatorClaudius Tacitus , eine zu dieser Stellung durch sein Alter wie durchdie unkriegerischen Beschäftigungen, denen er bis dahin seine Zeit ge-widmet hatte, ganz ungeeignete Persönlickeit, obgleich sonst in vielen Be-ziehungen ein sehr würdiger Mann. Er fing damit an, dass er dem Senateeinige seiner Rechte wiedergab, wodurch er bei demselben grosse Freudeund die Hoffnung auf Wiederherstellung seiner alten Bedeutung erregte.Aber sie war nicht von langer Dauer. Sein Erscheinen beim Heere bewiessofort, dass er ausser Stande sei, demselben Achtung vor sich einzu-flössen, und nach einem halben Jahre starb er (im März 276) es istungewiss, ob durch Krankheit oder eines gewaltsamen Todes. Nun er-nannten die Legionen de& Orients, ohne sich erst wieder an den Senatzu wenden, den Legaten Marcus Aurelius Probus zum Kaiser,während in Rom der Bruder des Tacitus, Florianus, die Kaiserwürdeannahm und vom Senate und den europäischen Provinzen anerkanntwurde. Ehe es aber noch zum Bürgerkriege kam, wurde er von seineneigenen Leuten umgebracht, und Probus blieb alleiniger Kaiser (276282). Gleich Aurelian war auch er vom gemeinen Soldaten emporge-stiegen und hatte sich durch seine Kriegsthaten in allen Enden desReiches berühmt gemacht; dabei stand er in der besten Blüthe derManneskraft. Er begann seine Regierung mit einer rühmlichen That, der