82 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
zusammen, um sie gegen die Perser zu führen, bis zum Auszuge ins Feldaber Hess er von den Soldaten schwere Arbeiten ausführen, Sirmien mitKanälen durchziehen, um die Sümpfe trocken zu legen und die Erde zurBearbeitung geeigneter zu machen. In den heissen Augusttagen erregtedies bei den Truppen Murren, und als Probus sie aufbrausend zwingenwollte, da brach der Aufstand offen aus, wobei in der Aufregung Probuserschlagen ward, was sie zwar gleich darnach bitter bereuten, als sieseine vortrefflichen Eigenschaften, bei aller seiner Strenge sich ius Ge-dächtniss zurückriefen. Zum Kaiser riefen sie den Präfekten der Präto-rianer Marcus Aurelius Carus (282—283) aus. Dieser war bereitsalt und im Kriegsdienst ergraut. Seiuen ältesten Sohn C arinus ernannteer zum Augustus und Mitregenten und schickte ihn nach Gallien, um esgegen die Germauen zu schützen ; seinen jüngeren Sohn Numeri an usernannte er zum Cäsar und nahm ihn im J. 283 mit sich ins Feld gegendie Perser. Da diese Letzteren, über welche damals der König Baramusoder Vararamus IL regierte, in einen Grenzkrieg mit Indien verwickeltwaren, so konnte Carus ohne Widerstand über den Tigris vordringen undCtesiphon und Seleucia einnehmen. Er rüstete sich hiernach schon zueinem zweiten Feldzuge, verbrannte aber mitsammt dem Zelte, in welchemer krank lag, bei einem furchtbaren Gewitter. Alle glaubten, dass ervom Blitze erschlagen sei; einen vom Blitz getroffenen Ort hielten aberdie Römer für unheilvoll, und deshalb wollte das Heer nicht weitergehen,und Numerianus, der an seines Vaters Stelle getreten war, musste es zu-rückführen. Still, sanftmüthig, zart, erinnerte er an Alexander Severus,während hingegen Carinus die Eigenschaften Heliogabal's und Domitian'sin sich vereinigte. Der persische Feldzug hatte auf die schwache Ge-sundheit Numerian's sehr schädlich gewirkt, so dass er auf dem Marschein einer geschlossenen Sänfte getragen werden musste. Sein Schwieger-vater Arrius Aper, Präfekt der Prätorianer, leitete alle Angelegenheitenund gab täglich im Namen des Numerianus die Befehle an das Heer aus.Als die Armee Chalcedon erreichte, verbreitete sich das Gerücht, dassNumerianus gar nicht mehr am Leben sei, und es stellte sich heraus,dass Aper ihn umgebracht hatte. Er wurde.ergriffen und in Ketten vorder Armee hergeführt, die Truppenbefehlshaber aber wählten den Mar-cus Valerius Diocletianus oder (auf griechisch) Dioklitianoszum Kaiser, der das Amt des Regens Domesticos (Vorgesetzter der kai-serliehen Hofchargenj bekleidete. Er nahm die Kaiserwürde an, reinigtesich durch einen Eid von seiner Theilnahme an der Ermordung Nume-rian's und tödtete den Aper mit eigener Hand (284). Carinus erkannteihn nicht an; es kam zwischen Beiden zu einem Kriege, der 7 Monatedauerte und im J. 285 mit der Schlacht bei Margus in Mösien endigte.Obgleich Carinus den Sieg gewann, so wurde er doch bald danach von