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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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52 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Weise in gleicher Art gegen die Germanen aufzutreten und öffnete ihnendadurch die Augen über die wirklichen Absichten die Römer. Von demMoment an waren die hervorragendsten germanischen Völker entschlossen,sich von den Römern zu befreien. Hierzu wirkte der jugendliche und vor-nehme Cherusker Hermann oder Arminius vorzugsweise mit, derSohn Siegmar's, Schwiegersohn des Segest, eines Verbündeten derRömer. Obgleich im römischen Kriegsdienst erzogen und ausgebildet,hatte er doch ein äusserst lebhaftes Gefühl für die Unabhängigkeit derGermanen bewahrt. Aber die Pläne Hermann's und seiner Gesinnungs-genossen zu verwirklichen war nicht leicht, denn Varus hatte ein starkesHeer, und einige bedeutende germanische Geschlechter standen auf seinerSeite. In dieser Verlegenheit griff Hermann zur List, er lockte Varusund sein Heer im J. 9 n. Chr. in den ausgedehnten, dichten und undurch-dringlichen Teutoburger Wald (in der Gegend der heutigen Stadt Det-mold) . Hier, wo die römischen Legionen des Varus sich weder vorwärtsnoch rückwärts bewegen konnten, während ein gewaltiger Regen ihnenjede Vorbereitung oder Arbeit unmöglich machte, gingen die bei ihnenbefindlichen germanischen Hülfsvölker zu ihren Landsleuten über, undnun fielen alle Germanen mit furchtbarem Ungestüm von allen Seitenüber die Römer her und Hessen von dem mörderischen Kampfe gegen sienicht eher ab, bis das ganze Heer des Varus aufgerieben oder gefangenwar. Varus stürzte sich in der Verzweiflung in sein Schwert. Die Folgedieses blutigen und entscheidenden Zusammenstosses und der den Rö-mern durch die Germanen beigebrachten Niederlage war die Wegnahmeund Zerstörung der ersten von den Römern auf dem rechten Rheinuferaufgeführten Befestigungen, die auf einen Schlag erfolgende Vernichtungder Früchte aller der 22jährigen Anstrengungen der Römer zur Unter-werfung Germaniens und die von den Germanen gewonnene Ueberzeu-gung, dass die römischen Legionen nicht unüberwindlich seien.

Die Nachricht von der Niederlage und Vernichtung des Varus nebstseinem Heere versetzte Rom in Schrecken, den Augustus aber in solcheBetrübniss, dass er ausrief: »Varus, Varus, gieb mir meine Le-gionenwieder!« (Quintili Vare, legiones redde! Sueton). Mit Mühegelang binnen Kurzem die Aufstellung eines Heeres, mit welchem Tibe-rius und Germanicus zusammen sich zum Rhein wandten; aber obgleichsie wieder auf dem rechten Rheinufer zu erscheinen vermochten, so ge-schah dies doch mehr, um daselbst den Stand der Dinge zu erforschen,als um die früheren befestigten Positionen wieder zu gewinnen. Seitdieser Zeit beschränkte sich Alles auf unbedeutende Scharmützel auf demrechten Ufer, bis es Germanicus in den Jahren 1415 n. Chr. endlichbis an die Weser vorzudringen gelang, wobei er sogar bei Idistavisus(h. Minden) einen Sieg über die Germanen erfocht. Aber bei seiner