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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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52. Kurzer historischer Ueberblick der Kriege Roms in dieser Periode. 51

wie weit dieses Unternehmen zur Sicherung der Grenzen des römischenReiches nöthig gewesen sein mag*).

Seit Cäsar's Zeit waren einige germanische Stämme (Ubier, Van-gionen, Triboker, Nemeter u. A.) auf das linke Rheinufer übergegangen,hatten sich den Römern unterworfen und vorzugsweise am Ober-Rheinniedergelassen. Seitdem nannten die Römer dieses Rheinufer von Hel-vetien bis Castra vetera (h. Xanten) das 1. und 2. Germanien [Germaniaprima et secunda). Mit den jenseits des Rhein wohnenden Germanenknüpften sie Handelsverbindungen an, erbauten auf dem linken Ufer Be-festigungen, über den Rhein aber zu gehen wagten sie nicht oder, bessergesagt, sie wichen einem Kriege mit den Germanen aus. Dies ermuthigteLetztere und gab ihnen den Gedanken ein, selbst den Rhein zu über-schreiten; im J. 16 v. Chr. fiel eine grosse Anzahl von ihnen in Gallienein. Der dortige Truppenbefehlshaber Lollius wollte den mit Beute be-ladenen Germanen die Rückkehr über den Rhein abschneiden, wurdeaber von ihnen geschlagen und verlor einen Adler. Nun hielt es Augustusfür erforderlich, zum Schutze Galliens das auf dem rechten Rheinufergelegene Germanien zu besetzen, und beauftragte damit den Drusus,welcher mit seinem Bruder Tiberius gemeinschaftlich vordem schon dieVölker südlich der Donau besiegt hatte und aus Erfahrung die Art derKriegführung der Germanen kannte. Das Resultat seiner Feldzüge von13 bis 9 v. Chr. in Nieder-Gernianien (Westphalen, Nieder-Sachsen undHessen) war dies, dass die Römer zu Lande und zur See bis zur Elbevordrangen und feste Punkte auf dem rechten Rheinufer erlangten. ImJ. 9 v. Chr. starb Drusus, nachdem er den Weg für die zukünftige Erobe-rung vorgezeichnet hatte, und diesen Weg verfolgten auch die Nachfolgerdes Drusus im Obercommando über die römischen Truppen in Germanienvom J. 9 v. Chr. bis 4 n. Chr. (im Ganzen während 13 Jahren) Tiberius,Domitius Ahenobarbus, Vinicius und nochmals Tiberius. Getreu der altenPolitik Roms erklärten sie sich für Verbündete der schwächeren Stämmegegen die stärkeren, und nach und nach wurde dann aus den Bündnissen,welche sie mit den zwischen Rhein und Weser wohnenden Germanengeschlossen hatten, eine dauernde Oberherrschaft über sie. Sie suchtenJene in den römischen Gesetzen, Sitten, Gebräuchen, Ansprüchen, Luxusund Bildung zu unterrichten, erzogen die Jünglinge der Adelsgeschlechterin Rom, verliehen ihnen die Ehrenstellen als Befehlshaber in den römi-schen Heeren u. s. w. So standen die Dinge, als Quinctilius Varus zumOberbefehlshaber des römischen Heeres in Germanien ernannt wurde.Er war vorher im Orient gewesen und hatte sich dort an sklavischenGehorsam bei seinen Untergebenen gewöhnt; nun begann er unüberlegter

*) Heeren.

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