52. Kurzer historischer Ueberblick der Kriege Roms in dieser Periode. 53
Bückfahrt von dort verlor er durch einen Sturm seine Flotte und einenTheil seiner Armee. Während dessen war Tiberius zu der Ueberzeugunggelangt, dass für Rom unter diesen Umständen die beste Politik darinbestehe, die Germanen ihren beständigen Zwistigkeiten und innerenFehden zu überlassen, keine Gelegenheit sie zu theilen sich entgehenzulassen, umso über sie zu herrschen. Und als er nach des Au-gustus Tode die Regierung übernahm, rief er bald (17 n. Chr.) den Ger-manicus zurück, theils weil er, argwöhnisch wie er war, Jenen zu mächtigwerden zu lassen fürchtete, hauptsächlich aber deshalb, weil er es fürklug hielt, von weiteren Kriegen mit den Germanen abzustehen, da ihmdiese Kriege bisher nur viele Menschen und Summen gekostet, aber nichtden geringsten Nutzen gebracht hatten. Diese seine Politik erwies sichbald als sehr richtig: Arminius, der der Führer des grossen und mäch-tigen Bündnisses gegen die Römer geworden war, verwickelte sich inKriege gegen einen andern germanischen Fürsten, Marbod, welcher diean der Donau ansässigen Germanen unter seiner Führung vereint hatte,besiegte denselben vertrieb ihn in römisches Gebiet und strebte nach Er-langung der königlichen Macht. Dies erregte im J. 21 einen Aufstandgegen ihn, und in dem Kriege gegen seine Gegner kam er ums Leben.
Solchergestalt wurden also seit dieser Zeit die Germanen gar nichtmehr durch die Römer in Germanien beunruhigt, bald aber begannen sieselber diese in deren eigenen Grenzen anzugreifen.
§. 360.Von Augustus bis Nerva (14—96).
Die Regierungszeit des Tiberius (14—37) war eine ziemlich ruhige,obgleich die Empörungen der pannonischen und besonders der rheini-schen Legionen, welche nur durch Nachgiebigkeit beschwichtigt werdenkonnten, bereits bewiesen, dass die Legionen sich ihrer Kraft und ihrerMacht, die Imperatoren auf den Thron zu heben, bewusst gewordenwaren. Aber der Hauptgegenstand des Hasses und Neides des Tiberiuswar Germanicus, der bei Volk und Heer sich besonderer Liebe erfreute.Deshalb rief ihn Tiberius aus Germanien zurück (im J. 17) und schickteihn in den Orient, die dort ausgebrochenen Unruhen zu dämpfen. Ger-manicus stellte mit Glück die Buhe wieder her und machte erfolgreicheFeldzüge, deren Besultat die Ernennung des Königs von Armenien durchihn und die Verwandlung von Cappadocien und Commagene in römischeProvinzen war (18 n. Chr.); allein im J. 19 ward er auf Befehl des Ti-berius vergiftet, seine Wittwe Agrippina aber und seine Kinder wurdenverfolgt und getödtet. Danach, im J. 23, vereinte der misstrauische undargwöhnische Tiberius, um eine feste Stütze und Schutz seiner Macht zu