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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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40 IV. Von Augustns bis zum ffntergang des Weströmischen Reiches.

vertheidigten sich ausserordentlich muthig und tapfer, Josephus selbsterschöpfte alle Mittel der Kunst, um den Angriffen Vespasian's mit denverschiedensten Mitteln Widerstand entgegenzusetzen, und nach 48-tägiger Belagerung wurde (im J. 67) die Stadt nur durch List einge-nommen.

Die Beschreibung, welche Josephus von der 3 Jahre nachher erfol-genden Belagerung von Jerusalem giebt, enthält interessante Details überdie Befestigung dieser Stadt und die sie verteidigenden. Truppen undEinwohner, sowie auch über die Vertheidigung selbst. Wir wollen inKürze der Hauptsachen Erwähnung thun. Jerusalem war ihrer örtlichenLage und geschickten Befestigung wegen eine der festesten Städte derWelt. Es bestand aus 4 Theilen: Zion, Akra, dem Tempel (Berg Mori-jah) undBezetha, welche auf 6 einzelnen, durch tiefe Thäler von ein-ander getrennten Hügeln lagen. Zion und Bezetha beherrschten denTempel, der Tempel wiederum Akra. Die Festungswerke bestanden auseiner dreifachen Reihe hoher und dicker Mauern mit Thürmen, deren aufder äusseren Mauer 90, auf der inneren 14, auf der von Zion 60 standen,200 Ellen von einander entfernt und 5090 Ellen hoch. Der Tempelvon Jerusalem bestand aus einem Complex vieler Gebäude, welche mitgrossen bedeckten Gängen oder Gallerien umgeben waren, die ihm zu-gleich zur Befestigung dienten. Mauern und Thürme waren mit einergrossen Zahl von Wurfgeschützen und Kriegsmaschinen besetzt, welchedie Juden theils den Römern weggenommen hatten bei der Besiegung desCestius Gallus, theils selbst während der Belagerung unter Anleitung vonrömischen Deserteuren erbaut hatten. Anfangs waren sie noch äusserstunwissend und ungeschickt in dem Gebrauch, im Laufe der Zeit lerntensie es von denselben römischen Ueberläufern. Nach Angabe des Josephuswaren an Truppen, Bürgern der Stadt, und Juden überhaupt, welche zumPassah-Feste aus Palästina und fremden Ländern nach Jerusalem ge-kommen waren, im Ganzen 3000000 Menschen in der Stadt. Unter diesenbefanden sich eine Menge raubgieriger Zeloten, gewöhnt zu rauben undplündern. Zu Anfang der Belagerung herrschten in der Stadt zwei ein-ander feindliehe Parteien: die des Johannes von Giscala, der 8400 Mannim Tempel hatte, und die Simon's, der 10000 Mann jüdischer und 5000Mann idumäischer Truppen in Zion oder der obern Stadt hatte. DieseHandvoll wüthender Fanatiker hielt die ganze Stadt in Schrecken undstellte eine bis zum Unglaublichen kühne und verwegene Truppenschaardar, welche nicht leicht zu besiegen war. Die besten waren die KriegerSimon's, welche sich durch Gehorsam und Ergebenheit gegen ihn unddeshalb auch durch grosse Ordnung auszeichneten. Gegen Ende der Be-lagerung, als der furchtbarste Hunger die Juden aufs Aeusserste erschöpfteund schwächte, kämpften sie indess matter. Was die Vertheidigung selbst