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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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50. Die Völker, mit welchen die Römer in dieser Periode Kriege führten. 41

nach Seiten der Kunst anbelangt, so sind zu erwähnen: die erfolgreicheAnwendung von Minen zur Zerstörung der römischen Belagerungs-Ma-schinen und -Arbeiten, eine unterirdische Wasserleitung und Aufführungeiner zweiten Mauer durch Johannes von Giskala hinter der Bresche imHauptwall; ausserdem bestand der Haupt-oder eigentlich einzige Vor-zug auf Seite der Juden in der unglaublichen tollkühnen Tapferkeit, mitwelcher sie unaufhörlich Ausfälle machten, bei deren einem sie fast sänimt-liche römische Belagerungs-Maschinen und Arbeiten zerstörten.

§. 353.Die Perser und die übrigen Völker Asiens und Afrikas.

Bis zum J. 226 n. Chr. hatten die Römer in Asien fast unaufhörlicheund furchtbare Kriege mit den Parthern bestanden. Die militärischeOrganisation und das Kriegswesen der Letzteren wurde schon im §. 214,Kap. XXXII. 3. Theil, Alterthnm, dargestellt. Im J. 220 wurde dasweite Parther-Reich durch die Perser zerstört und mit dem persischenReiche unter der Herrschaft der Sassaniden-Dynastie verschmolzen. Seitdieser Zeit beginnen die fast unaufhörlichen schrecklichen Kriege desungetheilten und danach des Oströmischen Reiches mit den Persern,Kriege, welche mehrere Jahrhunderte hindurch fortgesetzt werden.

Kriegswesen und militärische Organisation bieten bei den Persern fastdieselben Züge wie bei den alten Persern und zum Theil bei den Parthern.Die Hauptmacht und den besten Theil der persischen Heere bildeten dieköniglichen Leibwachen und die Schaaren der adligen und reichen persi-schen Grundbesitzer, welche im Verhältniss zur Grösse ihres Besitzeszum Kriegsdienst verpflichtet waren. Im Falle eines Krieges rüsteten sieeine gewisse Anzahl Krieger aus und stiessen mit ihnen zum Heere. Diereiche, vornehme und stolze oberste Klasse der Perser bewahrte noch dieGewohnheiten der alten Zeit und erhielt in der Jugend eine kriegerischeErziehung, die vielfach an die frühere erinnerte und in verschiedenenkörperlichen, kriegerischen und Reitübungen bestand. In den Bestandder persischen Heere traten ausserdem die Truppen der unterworfenenKönige und Völker ein. Die Könige selber befehligten ihre Armeen, oderauch ihre Söhne, denen in solchen Fällen als Rather und Helfer ein er-fahrener und geschickter Feldherr beigegeben wurde. Die Unterbefehls-haberstellen wurden an Personen der höchsten Klasse der Perser ver-geben. Diese Klasse diente und focht stets zu Pferde, daher bestand diebeste und hauptsächlichste Truppengattung in der vortrefflichen Caval-lerie, welche zum Theil schwere (Panzer-Reiter), grösstentheils aberleichte war, auf stattlichen, schnellen Pferden, gleich schrecklich durchdie Schnelligkeit ihrer Bewegungen, wie durch die Kraft ihres Stosses.