38 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
2) daran, class in den Verbindungen germanischer und asiatischer Völker,wie Gothen, Hunnen und Anderer, welche die furchtbaren Einfälle indas römische Reich ausführten, sich eine Menge von Völkern sarmati-schen und scythischen oder slawischen Stammes befanden, und dass dieseVölker mit den Germanen zugleich den grössten Antheil an der Zer-störung des Weströmischen Reiches nahmen, und 3) daran, dass die Ver-schiedenheiten, welche die griechischen und römischen Schriftstellerzwischen allen Sarmaten und Scythen einerseits und den Germanenandererseits überhaupt fanden, vielleicht nur von dem Theile der Sar-maten und Scythen galten, welche in den weiten Steppengebieten Süd-Russlands nomadisirten, dass aber im Allgemeinen die Sarmaten undScythen, gleich allen damaligen wilden und halbwilden Völkern Europas,in den Hauptzügen ihres Gemein- und Kriegswesens sich wahrscheinlichnur wenig von den Germanen unterschieden. Zuverlässige Nachrichtenüber Heereseinrichtung und Kampfart derselben zu jener Zeit giebt esnicht.
§. 352.Die Juden.
Die Juden nahmen nicht die letzte Stelle unter den Völkern ein, mitwelchen die Römer in dieser Periode Krieg führten, sowohl hinsichtlichder Wichtigkeit ihres Krieges gegen sie in den Jahren 66—71 n. Chr.,als hinsichtlich ihres Kriegswesens überhaupt. Dieser Krieg, wichtig inreligiöser und politischer Beziehung, ist nicht minder bemerkenswerth inkriegerischer. In Bezug auf ihr Kriegswesen zeichneten sich die Judengegen die anderen Völker dadurch aus, dass sie die von Alters her be-stehenden Ordnungen und Gewohnheiten festhielten und jeden griechi-schen oder römischen Einfluss von sich fernhielten. Deshalb bietet ihrHeerwesen in seinen Hauptgrundlagen fast dieselben Züge dar, wie inder alten Zeit, im Einzelnen jedoch einige durch Zeit und Umstände be-dingte Besonderheiten. Inmitten des allgemeinen, durch Fanatismus undHass gegen die römische Herrschaft mehr als durch die Anhänglichkeitan ihren Glauben und Liebe zur Unabhängigkeit erregten Volksaufstan-des, inmitten der heftigsten inneren Zwiste, Bürgerkriege und Empörun-gen konnten die Juden nicht zu einer geregelten militärischen Organisationgelangen und besassen sie in der That nicht. Alles, was die Waffen zuführen im Stande war, bewaffnete sich wie und womit es gerade ging,verstärkte sich durch alles im Volke noch so sehr Verachtete, Land-streicher, Räuber, Bettler, Deserteurs, fremden Nachbarstämmen An-gehörige u. s. w., gesellte sich den verschiedenen Abtheilungen zu, inwelche das Volk getheilt war, und eröffnete in gesonderten Banden unterder Anführung von Fanatikern, Zeloten (blinde Eiferer), wie Judas derGaliläer, dessen Sohn Manaim, Eleazar und später Johannes von Giscala,