50. Die Völker, mit welchen die Römer in dieser Periode Kriege führten. 37
zugleich an den Kämpfen der Römer und an der Zerstörung des West-römischen Reiches mehr oder weniger Antheil nahmen, waren denGriechen und Römern wenig bekannt, welche sie im AllgemeinenScythen oder Sarmaten, und nach ihnen die von denselben be-wohnten Gegenden Scythien und Sarmatien nannten.
Seit dem 3. Jahrb.. n. Chr. legten die Römer den Namen Sarmatenvorzugsweise den Völkern bei, welche unmittelbar neben den Germanenauf dem Gebiete von der oberen Weichsel und Dnjestr nach Osten biszum Tanais (Don) wohnten, mit Ausschluss der nördlichen Ufer desSchwarzen und Asowschen Meeres, die zur Zeit der Völkerwanderungden verschiedenen aus Asien nach Europa, von Osten nach Westen,ziehenden Völkern zum zeitweiligen Aufenthaltsorte dienten. Der Unter-schied zwischen den Sarmaten und Scythen einerseits und den Germanenandrerseits bestand nach den griechischen und römischen Schriftstellerndarin, dass die Ersteren ein Nomadenleben führten , andere Sitten undGewohnheiten hatten, eine andere Sprache redeten, weite Kleider trugen,stets zu Pferde kämpften, eine vortreffliche leichte Reiterei bildeten undnur mit Wurfgeschossen bewaffnet waren. Die durch ihren Antheil anden Kriegen gegen die Römer bemerkenswerthesten sarmatischen Stämmewaren die Alanen, Roxolanen und Jazygen. In den nordwest-lichen Theilen Ost-Europas, von der Weichsel längs der Küste des Balti-schen Meeres bis zum Niemen-Fluss wohnten die Esthen, neben diesenmehr nach dem Innern des Landes die Finnen, und zwischen beidenStämmen im Norden und den Sarmaten im Süden von der Weichsel, dawo der Bug in sie mündet, bis zum Niemen und von diesem längs demBaltischen Meere bis zur Narowa und dem Peipus-See die Wenden oderVenedi. Unter ihnen waren die Esthen ein mehr ackerbautreibendesals kriegerisches Volk, die Finnen dagegen sehr wild, roh und arm. DieWaffe der Ersteren war der Streitkolben, die Anderen gebrauchten nurBogen und Pfeile zur Jagd. Von den Wenden sagt schon Tacitus , dasssie viele der Gewohnheiten und Untugenden der Sarmaten angenommenhaben. gleich ihnen beständig in den Wäldern und Bergen umherstrei-fend und sich mit Raub und Plünderung befassend, dass aber trotz alledemdie Wenden mehr zu den Germanen zu zählen seien, weil sie nicht no-madisiren, sondern in festen Wohnsitzen leben, Schilde tragen, zu Fusskämpfen und durch Schnelligkeit im Laufe berühmt seien, während dieSarmaten ihr Leben auf den Pferden zubringen. Die neueren Forschungender historischen Kritik lassen keinen Zweifel: 1) daran, dass die Wenden,Sarmaten und überhaupt ein grosser Theil der im westlichen, mittlerenund südlichen Theil von Ost-Europa während der ersten 5 Jahrhunderten. Chr. wohnenden Völker die späteren Slawen waren, welche vom(5. Jahrh. n. Chr. an unter diesem Namen in der Geschichte erscheinen,