50. Die Völker, mit welchen die Römer in dieser Periode Kriege führten. 35
ziehung oder durch ihre Theilnahme an den Kriegen gegen die Römervomigsweise bernerkenswerth sind:
Unter den Stämmen Süd-Germaniens sind dies: 1) die Qu ade n(welche einen Theil des heutigen Oesterreichs, Mähren und Ost-Böhmenbewohnten) , zu dem Bunde der Sueven gehörig, ebenso wie 2) dieMarcomannen, ein zahlreiches, mächtiges Volk, zwischen Rhein,Main und mittlerer Donau sesshaft, — und 3) die Alemannen, auseinem Bunde vieler Stämme bestehend, welche von den Quellen derDonau an längs dem Rhein bis zum Main wohnten und ausserordentlichzahlreich waren. Quaden, Marcomannen und Alemannen waren in denKriegen gegen die Römer vorzugsweise in Thätigkeit, besonders in demgrossen Marcomannenkriege unter Marc Aurel: die Alemannenzerstörten nach Probus' Tode eine Reihe von römischen Festungen zwi-schen Donau und Rhein und eröffneten dadurch zuerst den Germanenden Weg in das Weströmische Reich.
Von den Völkern West-Germaniens sind es: 1) die Tenchterer,ein sehr zahlreiches und mächtiges Volk, das zum Bunde der Cheruskergehörte; sie bewohnten das rechte Ufer des Unterrheins (zu beidenSeiten der Sieg) und waren seit Alters her berühmt und ausgezeichnetdurch ihre Reitkunst und als Cavallerie; nach Tacitus' Worten bildetendie Pferde den Hauptbestandtheil ihrer Habe und Reitiibungen den Gegen-stand ihrer steten Beschäftigung während ihres ganzen Lebens; 2) dieBructerer, ein sehr starker und kriegerischer Stamm, nördlich derLippe ansässig zwischen Yssel und Weser; als Verbündete der Cheruskerhatten sie den Hauptantheil an der Vernichtung der Legionen des Varus,wurden aber zur Zeit Trajan's selbst durch ihre Nachbarn ausgerottet; —und 3) die Chauken oder Kauken, ein starkes, östlich der Ems längsder Küste des deutschen Meeres bis zur Elbe wohnendes Volk; nachTacitus Angabe waren sie das edelste Volk unter allen germanischenStämmen, bewahrten ihre Grösse mehr durch Gerechtigkeit als durchGewalt, führten keine Raub- und Plünderungszüge aus und suchten keineGelegenheit zum Kriege, wurden sie aber dazu gezwungen, so verstandensie tapfer und geschickt zu kämpfen und waren als Fussvolk wie alsReiter gleich gewaltig. Wir bemerken, dass dieses Lob des Tacitus viel-leicht darin seinen Grund hat, dass zu Augustus' Zeit die Chauken Feindeder Cherusker und Freunde der Römer waren.
Unter den Stämmen des übrigen Germaniens : 1) die Katten oderChatten (bei Cäsar — Sueven) lebten um Fulda und Main und wareneines der bedeutendsten, mächtigsten und kriegerischsten Völker Ger-maniens; ausgezeichnet durch ihre Vollkommenheit im Kriegswesen,ungewöhnliche Militärorgauisation und straffe militärische Disciplin undOrdnung, weshalb auch Alle wünschten Chatten in ihrem Dienste zu