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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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Fünfzigstes Kapitel.

Die Völker, mit welchen die Römer in dieser Periode

Kriege führten.

§. 350. Die Germanen. §. 351. Die Völker Ost-Duropas. §. 352. Die Juden.§. 353. Die Perser und die übrigen Völker Asiens und Africas.

§. 350.Die Germanen.

Unter allen den Völkern, mit welchen die Römer in dieser PeriodeKrieg führten, nahmen die Germanen die erste Stelle ein, da sie infast unaufhörlichen Kriegen gegen Jene ihre Unabhängigkeit vertheidig-ten, dann das römische Kaiserreich gewaltig bedrängten und zuletztdessen westliche Hälfte zerstörten.

Die Römer verstanden ihren geographischen Begriffen gemäss unterdem Namen Germania das ganze Gebiet von Nord- und Mittel-Europazwischen Rhein und Weichsel (Germania Transrhenana und Transvistu-lana) und von der Donau bis zum Deutschen und Baltischen Meere undsogar alle ihnen unbekannte Länder im Norden, Osten und Süden vondiese Meeren, nämlich: das heutige Norwegen, Schweden, Dänemark,Finnland, Esthland, Lievland, Curland, Ost- und West-Preussen undOesterreich-Ungarn. Das nach ihren Begriffen das eigentliche Ger-manien bildende Land zwischen Rhein, Donau, Vistula (Weichsel) undden nördlichen Meeren war mit ungeheuren Waldungen und Sümpfenbedeckt, hatte ein feuchtes, kaltes Klima und war eine wilde, rauheGegend. Die Römer nannten es Germania, wie man annimmt, deshalb,weil die Bewohner sich Heer mannen oder Wehr mannen (Kriegs-leute), aber nach ihrem Gotte Teut Teutonen nannten. Sie be-standen aus einer Menge von Stämmen, die aber alle von derselben Ab-stammung waren und in vielen Zügen einander glichen. Im Allgemeinenein wildes, rohes Volk, standen sie in staatlicher Hinsicht und an Bil-dung auf einer niederen Stufe, waren aber hervorragend kriegerisch,