28 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Periode im Vergleich zu der Zeit der Bürgerkriege und namentlich zuder Blüthezeit der römischen Republik die Kriegskunst sich in allmäligzunehmendem Verfall befand.
§. 349.Kriegsmacht und Kriegskunst zur See.
Seit Augustus Zeit gehörten zu dem Bestände der römischen Kriegs-macht ausser der Landmacht auch stehende Seestreitkräfte. Mit der Ein-führung des stehenden Heeres richtete Augustus zugleich auch zweistehende Flotten ein, deren eine sich gewöhnlich zu Ravenna im adriati-schen Meere, die andere zu Misenum im tyrrhenischen Meere (an derWestküste Italiens) befand. Ausserdem wurden die Seekriegsschiffe,welche Augustus in der Schlacht bei Actium erobert hatte, nach ForumJulii (h. Frejus in der Provence) am Südufer Galliens geschickt, umdieses zu decken und zu sichern; sie bildeten dort später eine drittestehende Flotte. Auf den wichtigsten Flüssen, Rhein, Donau u. s. w.,befanden sich ausserdem noch Stromflottillen. Im Laufe der Zeit wardspäter die Zahl der Schiffe allmälig vermehrt.
Die besten Schiffe in des Augustus Flotte, ihrer Bauart nach, undwelche in der Schlacht bei Actium am meisten zur Erlangung des Siegesbeigetragen hatten, waren die liburnischen (Liburni hiess der Küsten-strich von West-Illyrien, d. h. Dalmatien). Deshalb wurden unter Au-gustus die römischen Kriegsschiffe hauptsächlich nach dem Muster dieserliburnischen höchst sorgsam und kunstvoll gebaut, mit 1, 2 bis 5, bisweilensogar noch mehr Ruderreihen. Ausser den schweren Seekriegsschiffengab es noch leichte, welche zur Recognoscirung des Feindes, zu plötz-lichen Ueberfällen, zur Wegnahme feindlicher Proviantschiffe gebrauchtwurden, und endlich auch Kriegstransportschiffe zur See und auf Flüssen.
Die Schiffsmannschaft und die Marinesoldaten wurden wie früherausgehoben und eingetheilt. Nero wollte die Seetruppen in der Art wiedie Legionen organisiren, kam aber damit nicht zu Stande. Unter Galbaforderten sie Durchführung dieser Einrichtung, wurden abschläglich be-schieden , empörten sich, und in Folge dessen wurden an einem Tageihrer 7000 niedergemacht. Ihrer Zusammensetzung nach waren die See-truppen im Allgemeinen die allerverächtlichsten: man schickte gröss-tentheils die Verbrecher auf die Flotte (eine Gewohnheit, welche in spä-terer Zeit auch im westlichen Europa beibehalten wurde, indem man dieVerbrecher zur Zwangsarbeit auf die Galeeren schickte).
Kaiserliche Legaten, später auch Präfekten u. s. w., befehligten dieFlotten.
Die Taktik zur See blieb dieselbe, wie früher.