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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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26 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

im J. 69 und an andern Orten angewendet), und von Seiten der Be-lagerten das Werfen brennender Stoffe, deren Wirkung sehr heftig waru. s. w. Bei Gelegenheit dieser brennenden Stoffe muss bemerkt werden,dass die Frage: ob und wie B r a n d e r im Alterthum in Gebrauch waren,eine besondere Beachtung verdient, im Hinblick auf deren Anwendungin späterer Zeit. Gewiss ist, dass im Alterthum die Griechen, Römer undauch andere Völker Europas, Asiens und Africas bei Belagerung undVertheidigung von Städten brennende Massen anwendeten, aber worausdiese Brandstoffe bestanden, das ist unbekannt. Schon Thucydides er-wähnt, dass in geeigneten Fällen siedendes Oel und Pech ange-wendet wurde, aber weder aus seinen noch aus späteren Erzählungengeht hervor, ob diese Stoffe durch Entzündung Feuersbrünste hervor-bringen sollten. Es ist bekannt, dass zur Zeit Alexander's d. Gr., Hanni-bafs und Julius Cäsar's brennende Pfeile geschossen wurden, um zuzünden, an deren Spitze brennende Stoffe befestigt waren (in geschmol-zenes Fett getauchtes und angezündetes Werg u. dergl.). Die Griechenund Römer nannten diese Brandpfeile falaricae. Auch zur Zeit desKaiserreichs stösst man oft auf Beispiele von der Anwendung, seitensder Belagerer wie der Belagerten, von brennenden Wurfgeschossen, soz. B. bei der Belagerung der Stadt Hathra in Parthien durch SeptimiusSeverus im J. 199, von Aquileja in Italien durch Maximin im J. 237 (inbeiden Fällen seitens der Belagerten) u. s. w. Aber was für Stoffe zudiesen Brandpfeilen genommen und wie diese speziell gehandhabt wur-den, das ist unbekannt. Ein griechischer Kriegsschriftsteller, AeneasTacticus (von welchem nur ein Werk, von Casaubonus herausgegeben, Casaubonus : commentario poliorcetico, uns erhalten ist) bezeichnetzur Anzündung von Gegenständen eine Mischung von Pech, Schwefel,Werg und Stückchen harzigen Holzes, das angezündet und mittelst Ge-schützen oder Maschinen (Bogen und Katapulten) fortgeschleudert wurde.Die Gegenstände vor dem Anbrennen durch diese Brandgeschosse zubewahren, empfiehlt Aeneas Essig und Sand. Andere Kriegsschriftstellerdes Alterhums erwähnen brennende Kugeln, Pfeile u. s. w., welche ver-mittelst Wurfmaschinen in geringer Geschwindigkeit geschossen werden,da bei rascherem Fluge der brennende Stoff hätte verlöschen können. *)So ist es also gewiss, dass im Alterthum, und namentlich zur Zeit desKaiserreichs, bei Belagerung und Vertheidigung von Städten, festenPlätzen u. s. w. häufig brennende Wurfgeschosse und Vorrichtungen ge-braucht wurden, woraus sie aber bestanden und wie sie angewendetwurden, das ist, wie gesagt, unbekannt.

*) Vergl. hierüber: G. M. Egerstrom, über Erfindung des Pulvers und der Brand-stoffe. St. Petersburg 1875.