49. Milit. Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im röm. Kaiserreich etc. 25
sehen Britanniens. Trajan baute an der schmälsten Stelle zwischen Donauund Pontus Euxinus (vom h. Tschernawoda a/Donau bis Kostendsche)einen Wall, dessen Ueberreste noch heute unter dem Namen Trajan'sWall erhalten sind. Probus (276—282) erbaute Festungsmauern vonRegensburg [castra Regina) bis zum Rhein und einen Wall zwischenDonau und Neckar [Nicer). Aurelian (270—275) schützte Rom ausserden früheren Mauern noch durch neuere Befestigungen, und so nochvieles Anderes. Ueberhaupt wurde in dieser Periode sehr viel für dieBefestigung der Grenzen des römischen Reiches gethan. Für die Forti-fication war dies sehr vortheilhaft, und obgleich sie, namentlich die Feld-befestigung, seit Cäsar keine besonders wichtigen und bemerkenswerthenFortschritte gemacht hatte und bei weitem nicht die ungeheuren Maasseder cäsarischen fortificatorischen Arbeiten erreichte, so befand sie sichdoch trotz alledem nicht in Verfall, sondern in grosser Entwicklung.Auch die Belagerungskunst wurde durch die Römer in dieser Periodesowohl nach Seite des Angriffs wie der ■Vertheidigung auf die höchsteStufe ihrer Entwicklung im Alterthum gebracht, wozu besonders diezahlreichen mehr oder weniger wichtigen Belagerungen jener Zeit bei-trugen. Die früheren Belagerungsmittel wurden vervollkommnet, ver-stärkt , vermehrt durch neu erfundene und angewendete und viele der-selben zu kolossaler Ausdehnung gebracht. Bei regelmässigen Belage-rungen war das hauptsächlichste und am meisten angewendete Mittel,wie früher, Damm {agger) und Mauerbrecher in grösserer und ge-ringerer Anzahl und oft von unglaublichen Grössen und Dimensionen.So kommen bei der Belagerung von Jerusalem durch Titus vier grosseDämme in Anwendung, und bei Vespasian kommt im judäischen Kriege(67—68) ein Mauerbrecher vor von 50 Fuss Länge mit einem colossalenKopfe und von schwerem Gewicht am hinteren Ende, der 1500 römischeTalente (ca. 1875 Centner) *) schwer war. Zu seiner Fortschaffung wur-den 150 Paar Ochsen oder 300 Paar Maulesel gebraucht; um ihn inThätigkeit zu setzen, waren 1500 Menschen erforderlich.
Die Minen r-Kunst war gleichfalls hoch entwickelt und vielfach inAnwendung. Namentlich sind die Minen-Arbeiten und der unterirdischeKrieg bemerkenswert]!, welche Titus bei der Belagerung von Jerusalemausführen Hess (70 n. Chr.)
Von den übrigen Belagerungsmitteln jener Zeit sind u. A. zu be-achten: die Anwendung von doppelten Schildkröten oderSchild däche rn, eins über dem andern, zur Ersteigung der feindlichenStadtmauern (solche wurden mit Erfolg bei der Belagerung von Cremona
*) Nach anderer Berechnung 1 röm. Talent = 70 deutsche Pfund = 1050 Centner,immerhin noch ein Gewicht, das die angegebenen Transportmittel nicht unwahr-scheinlich macht. Anmerk.'d. Uebers.