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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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24 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

Die Verschanzung des Lagers war dieselbe wie früher, nur die Pro-file wurden etwas stärker und höher gemacht. Das von Hyginus be-schriebene Lager hatte 6 Thore: die porta praetoria (das vordere) , de-cumana (hintere), rechte und linke principalis (Hauptthor) und rechte undlinke quintana (Hülfsthor). Jedes dieser Thore war durch kleine halb-runde Wälle gedeckt.

Die stehenden Lager wurden so sorgfältig, dauerhaft und stark ver-schanzt, hatten solche Maasse und Dimensionen, ihre Wälle u. s. w.solche Profile, dass sie mehr oder weniger Festungen glichen. Gleichdiesen hatten sie auf dem Hauptwalle Bollwerke oder Thürme und warenmit grossen und kleinen Wurfmaschinen armirt. Ausser diesen kunst-reichen Verschanzungen waren sie auch noch durch ihre örtliche Lageauf unzugänglichen Punkten stark. Vespasian und Agricola besonderszeichneten sich aus durch kunstreiche Auswahl des Terrains für solcheLager und Anpassen dieser Lager an die Gestaltung des Terrains. Au-gustus, die Antonine und andere gleich diesen friedliebende Kaiser,welche mehr auf die Erhaltung als auf die Erweiterung der Grenzen desReiches bedacht waren, erbauten ständige Lager gewöhnlich an demdiesseitigen Ufer der Flüsse, welche die Grenzen gegen die Barbarenbildeten, wie z. B. auf dem linken Ufer des Rhein, auf dem rechten derDonau, des Euphrat u. s. w. So entstanden im Laufe der Zeit vieleGrenzfestungen, überaus wichtige am Rhein, an der Donau und amEuphrat, welche eine überaus grosse Widerstandskraft besassen. Trajanallein erbaute im J. 105 im Kriege gegen die Dacier an der untern Donauseine berühmte steinerne Brücke, welche auf dem gegenüberliegendenlinken Ufer durch ein zweifaches befestigtes Lager und durch einen dop-pelten Brückenkopf gedeckt war. Wären seine Nachfolger seinem Bei-spiele gefolgt, so würden sie, wie man annehmen muss, mehr Mittel zurNiederhaltung der Barbaren gehabt haben.

Ausser durch stehende Lager wurden die Grenzen des Reiches oftund sorgfältig durch Aufführung von verschanzten Linien, Erdwällen,Steinmauern und Forts geschützt. So erbaute Agricola (7885) an deräussersten Nordgrenze von römisch Britannien eine Reihe kleiner Festun-gen. Hadrian verlegte die Grenzen des römischen Britanniens weiternach Norden und führte einen grossen steinernen Wall oder Mauer (Ha-drian's Mauer oder Picten-Wall) von der Mündung des h. Tyne-Flussesin einer Ausdehnung von 112 Kilometern bis zum itunischen (Tanaum ?-)Meerbusen (h. Solway-Busen). Unter Antoninus wurde dieser Wall nochweiter nach Norden gelegt, vom Clota-Busen (h. Clyde-Busen) bis zuder Mündung des Taum-Flusses (h. Tay-Fl.) ; und Septimius Severus er-baute hier eine Mauer. Caraealla aber gab die hier gelegenen Eroberungenauf, und die Hadrians-Mauer wurde aufs Neue die Nordgrenze des römi-