19, Milit. Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im rüm. Kaiserreich etc. 23
Terrain und Umständen. Nach der Angabe des Hyginus gromaticus(Kriegsfeldmesser), Kriegssckriftstellers zur Zeit der Antonine (im2. Jahrh.) hatte das Lager der römischen Heere zu dieser Zeit eineviereckige Form, deren Grösse von der Stärke der Armee abhing, dessenTiefe jedoch im Allgemeinen die Breite um 2 / 3 übertraf, was für diebesten Dimensionen des Lagers gehalten wurde. Zwei, der vorderenFront parallele, Strassen: die vordere oder Hauptstrasse (viaprincipalis) und die hintere (via quintana) theilten das Lagerder Tiefe nach in 3 ungleiche Theile: die praetentura (den vorderen),der der grösste und tiefste war, das praetorium (den mittleren), we-niger tief, und die retentura (den hinteren Theil), den kleinsten undwenigst tiefen. Hyginus nimmt an, dass die Armee, welche das von ihmbeschriebene Lager bezieht, ungefähr 24000 Mann zu Fuss und 10000Reiter stark ist, und vertheilt nun diese Truppen in folgender Weise:30 Cohorten = 3 Legionen, in einiger Entfernung am Wall längs dervorderen Lagerfront, in 2 Linien; längs der rechten und linken Seite intiefer Formation (Colonnen) in Cohorten nach rechts; und längs der hin-teren Front des Lagers in eine Linie; demnächst stellt er in den innerenRaum : 1) in die praetentura hinter die Cohorten der vorderen Legion zubeiden Seiten der via praetoria , welche diesen Theil der Tiefe nach hal-birt, verschiedene Abtheilungen und Schaaren der Hülfscavallerie undeinen Theil des leichten Fussvolks, die Lazarethe und die Zelte der Tri-bunen und Legaten; 2) in das Prätorium in der Mitte, der via praetoriagegenüber, das praetorium oder Zelt des Feldherrn, vor diesem denMarktplatz mit dem Opferaltar, der Rednerbühne und der Wache, hinterdem Feldherrnzelt das Gefolge des Feldherrn (statores) , rechts und linksdie Zelte der zu ihm gehörenden Grade, Prätorianer, Reiterei und Co-horten, die Reiterregimenter (alae) und die Hülfscohorten ohne Cavallerie;3) in die retentura zu beiden Seiten der via decumana , welche die reten-tura der Tiefe nach halbirt, die Zelte des Quästoren und seiner Beamten,die Zelte der Gesandten, die Hülfscohorten mit und ohne Reiterei unddie Fusstruppen der unterworfenen Völker. Auf jede Centurie kamen10 Zelte, in jedem Zelte lagen 8 Krieger. Die Cohorten stellten die Zeltein 2, und wenn die Oertlichkeit es nicht gestattete, in 3 oder 4 Reihenauf; mit dem Rücken je 2 und 2 gegeneinander. Die Reiterei lagerteebenso, nur mit grossen Zwischenräumen zwischen ihren Zelten für diePferde der Offiziere und für Vorräthe.
Es geht hieraus hervor, dass die Eintheilung der Lagerung derTruppen im Lager, wie sie Hyginus beschreibt, lange nicht so regel-mässig, bequem und vertheidigungsfähig war, wie jene in den vonPoly-bius beschriebenen Lagern, welchen letzteren daher auch in dieser Hin-sicht der entschiedene Vorrang gebührt.