22 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.
Zeit eine lebendige und eindringliche Lehre an die Nachwelt, ebenso wiedie sittliche Vollkommenheit desselben in den ersten Anfängen Romsimmerdar Gegenstand der Bewunderung und Nachahmung sein wird.
Die Bestrafungen für militärische Verbrechen wurden in dieser Pe-riode immer strenger oder, richtiger gesagt, grausamer. Niemals hatte esbei den Römern eine solche Auswahl von Strafen und namentlich Todes-strafen der Krieger gegeben, und alle diese Strafen und Hinrichtungenwaren grösstentheils grausam und qualvoll. Die Soldaten, feige und de-generirt, fürchteten den Tod, aber mehr noch Marter und Folter, und nurdurch die Furcht vor diesem konnte man sie noch einigermassen im Zaumhalten.
Auf der andern Seite kommen niemals und bei keinem Volke so frei-gebige, reiche und prachtvolle und dabei zugleich so häufige, ungerechte,unverdiente und beklagenswerthe Belohnungen für wirkliche oder ver-meintliche kriegerische Auszeichnungen vor. Kränze werden nicht andersals aus den theuersten Blumen gegeben, — Kronen von kostbaren Me-tallen, Fahnen und Kleider aus Purpur oder andern werthvollen Stoffen,"Waffen mit den reichsten Verzierungen und Edelsteinen u. s. w. Ausser-dem wurden als Belohnung die Soldaten von Kriegsarbeiten, von denschweren Pflichten des Dienstes im Lager oder Felde entbunden, erhieltenungeheure Grundstücke oder Landgüter, dem Heere wurden an dem Tageder Ausrufung zum Kaiser oder der Erlangung der Macht durch die Im-peratoren , oder in den alle 10 Jahre sich wiederholenden Festtagen dersacra decennalia , ihrer 10jährigen Regierung, auch an ihren Geburts-tagen oder auch für besonders wichtige Dienste besondere Geldspenden{donativum) verabfolgt u. s. w. Aber alle diese wurden weit in denSchatten gestellt durch den Luxus und die Pracht des grossen Triumphs,der übrigens nur noch den Kaisern zuerkannt wurde. Ausserdem warschon zu des Augustus Zeit die sogenannte apotheosis eingeführt wor-den, d. h. die Vergötterung der gestorbenen Kaiser oder ihre Er-hebung zum Range der Götter und die Erbauung von Tempeln für sie,— bis zu solchem Grade war der Unverstand der Römer gediehen!
§. 347.Lagertaau, Fortiflcation, Belagerungskunst und Ballistik.
Bis zur Zeit Gratian's (375—383) pflegten in Kriegszeiten die römi-schen Heere wie früher jede Nacht in befestigten Lagern zuzubringen.Weil die Römer in dieser Periode in nach dem Terrain sehr verschieden-artigen Ländern der Welt Kriege führten, so war die Anlage und Be-festigung dieser Lager weit mannichfaltiger und wurde der Bodengestal-tung mehr angepasst, als in früherer Zeit. Es gab Lager von viereckiger,dreieckiger, runder oder halbrunder Form , je nach Zahl der Truppen,