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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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20 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.

aber mit diesen nützlichen Beschäftigungen beginnen schon zu AugustusZeit die öffentlichen Spiele [ludi circenses) ; der Gladiatorenkampf, derKampf mit wilden Thieren, Gefechte von Schiffen auf dem Wasser (nau-machiae) u. s. w., grausame, unmenschliche, Rom und den Römern nurzur Unehre gereichende Vergnügungen, welche für die römischen Sol-daten nicht allein nutzlos, sondern sogar höchst nachtheilig waren. NachAntoninus bis zu Diocletian hin wendete die Regierung gar keine Auf-merksamkeit auf Ausbildung der Jugend und der Krieger im Kriegswesenund auf deren Beschäftigung mit militärischen Uebungen oder nützlichenArbeiten; die Soldaten verbrachten die Zeit in Müssiggang, Unwissen-heit und Ausschweifungen, sie dürsteten ganz wie das Volk nach Blutbei den Kampf-Spielen, vor dem Feinde aber ergriffen sie feige die Flucht.Die Versuche einiger Kaiser, die Soldaten zu allgemein nützlichen Ar-beiten zu bringen, kosteten ihnen fast immer das Leben. So gebrauchteProbus (276282) zuerst die Truppen zu Feldarbeiten, indem er die inGallien und Pannonien stehenden Legionen in den Weinbergen dortpflanzen und arbeiten liess; die Legionen aber empörten sich und er-schlugen ihn.

Eigentliche kriegswissenschaftliche Bildung gab es zur Zeit desKaiserreichs bei den Römern gar nicht. Die praktische Kriegswissen-schaft befand sich auf ziemlich hoher, aber wie bei den Griechen in derenletzten Zeiten, grösstentheils falscher Entwicklungsstufe, denn Pedan-terie, nutzlose Spitzfindigkeit und Compilatorenwesen waren ihre Grund-züge. Die besten Kriegsschriftsteller dieser Periode waren Griechen:Arrian von Nicomedien, Heerführer unter Hadrian, Onosander, Aelianus,Polyänus u. m. a. Die übrigen römischen Kriegsschriftsteller: Hyginus,Frontinus und viele Andere sind von untergeordneter Bedeutung. Unterden Historikern aber, welche die politische und zugleich die Kriegs-Geschichte Roms geschrieben haben, waren die besten römischen: TitusLivius unter Augustus und Tacitus unter Trajan; die Uebrigen, obgleichauch Römer, stehen doch weit tiefer, wie z. B. Suetonius, AmmianusMarcellinus und einige Andere, oder sie sind Griechen, wie Plutarch vonChäronea, der Zeitgenosse Trajan's, u. A. Auf diese Weise kommt vonWerken der Kriegs-Litteratur und von kriegswissenschaftlicher Bildungauf die Römer dieser Periode nur sehr wenig, und die Römer haben wäh-rend dieser ganzen Zeit nicht einen einzigen Militär-Schriftsteller, der demCäsar zur vergleichen, ja der ihm auch nur annähernd nahe gekommenwäre.

Die traurigste Seite aber der römischen Heere jener Zeit und dieHauptursache der Desorganisation und des schlechten Zustandes der-selben in allen Theilen und Beziehungen war der allmälige und schliess-lich vollkommene Verfall der moralischen Kraft und der kriegerischen