49. Milit. Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im röm. Kaiserreich etc. 19
wurden, vermehrten sich gleichfalls in demselben Grade, in welchem dasvon den Kriegern mit sich Getragene sich verminderte, und endlich hattendie römischen Heere mit ihrer Ungeheuern Anzahl von Wagen und Bagagenganz das Maass der Heere der orientalischen Völker erreicht. Damit ver-ringerte sich aber auch nach und nach ihre Beweglichkeit, wie dieSchnelligkeit ihrer Märsche und Operationen. Einige Kaiser und Feld-herren verminderten die Anzahl der Fahrzeuge und Bagagen bei denHeeren, allein diese Maassregeln waren nur vorübergehende Ausnahmen.Und Tross und Gepäck mussten in der That bei den römischen Heerenungeheuer sein, denn sie führten auf Lastthieren, Wagen und Schiffen,auf Flüssen oder auf dem Meere mit sich: Lebensmittel, Kleidungsstücke,Waffen, Holz- und Eisenmaterialien und alle Arten Handwerkszeug zurAnfertigung von Kriegsmaschinen, Ausbesserung von Wegen, Ausführungder verschiedensten Belagerungs- und sonstiger Kriegsarbeiten, Feld-brücken (Pontons) besonderer Construction, Zelte, besonders auch colos-sale Wagen für die Offiziers-Bagage, und überhaupt Alles, was nicht alleinfür die Kriegführung, sondern auch zur Befriedigung der sinnlichen Ge-nüsse der genusssüchtigen Bömer diente oder erforderlich war. Bei denschweren Fahrzeugen befand sich gewöhnlich eine grosse Menge Mcht-combattanten und anderer Personen, Handwerker, Arbeiter, Sklaven undTrossknechte u. s. w.
Die kriegerischen Uebungen der Soldaten, welche Augustiis einge-setzt hatte, und die von den besten der Imperatoren in den ersten beidenJahrhunderten, namentlich von Vespasian, Titus und Antoninus mitgrösserer oder geringerer Sorgfalt ergänzt und vervollständigt wurden,kamen vom 3. Jahrh. an in Abnahme, ja sogar in vollkommene Vergessen-heit. Unter Augustus und den ersten seiner Nachfolger wurden aus denRekruten [tyrones] besondere Cohorten gebildet und diese nicht wenigerals 4 Monate hindurch, bis zur Einstellung in die Legionen, in alledeminstruirt, was in früherer Zeit überhaupt alle Bürger, minorenne wie voll-jährige, geübt hatten. Unter Augustus schon und dann unter Hadrianwurden die früheren Uebungsmärsche der Truppen wenigstens dreimalim Monat mit vollem, bisweilen sogar mit doppeltem Gepäck und im ver-schiedensten Terrain, wiedereingeführt. Für die taktischen Uebungenganzer Armeen in grossem Maassstabe existirten in den ersten zwei Jahr-hunderten verschiedene Vorschriften und Regeln. Ausserdem wurden indieser Periode die Soldaten mit allerlei Kriegs- oder Staats-Arbeiten, Be-festigung von Lagern und Städten, Bau von Verschanzungslinien, Kriegs-strassen, Brücken, Wasserleitungen, öffentlichen Gebäuden u. dergl. be-schäftigt. Unter diesen Arbeiten verdienen in jeder Hinsicht die Kriegs-oder Heerstrassen besondere Aufmerksamkeit, deren dauerhafte undkunstreiche Anlage noch heute gerechte Bewunderung erregt. Zugleich
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