18 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
schon von Augustus an, erhöhten die Kaiser, um sich die Soldaten ge-neigt zu machen, den Sold, ausserdem gaben sie noch unaufhörlich be-sondere mehr oder weniger reiche Geldgeschenke [donativum). Augustuserhöhte den Sold des Soldaten überhaupt gegen den bei Cäsar üblichenSatz, die Prätorianer erhielten die doppelte Löhnung. Unter Tiberiusund Domitian wurde der Sold abermals erhöht, und zwar bekam unterTiberius: der Fusssoldat 10 röm. Ass (ca. 40 Pf.) täglich, oder 1 Gold-stück [aureus = 4 Thlr. etwa) monatlich, — der Centurio das Doppelte,— der Reiter und der Prätorianer das Dreifache; unter Domitian erhieltenAlle viermal so viel, also der Fusssoldat 4 Goldstücke (16 Thlr.), derCenturio 8 aureus (32 Thlr.), der Reiter oder Prätorianer 12 Goldstücke(48 Thlr.) monatlich. Aber auch nach Domitian noch fand eine weitereSolderhöhung statt, welche gegen Ende des 3. Jahrh. ausserordentlichhohe Beträge erreichte. Anfangs wurden, wie früher, für Bekleidung,Waffen, Verpflegung, Zelte u. s. w. grosse Gehaltsabzüge gemacht;später fanden deren keine mehr statt. Wegen der reichen und freigebigenUnterhaltung aus dem Schatze war es den Soldaten verboten, sich mitAckerbau und Handwerken ziT beschäftigen, Handel oder Gewerbe zutreiben. Die Prätorianer indessen, und schliesslich auch die übrigenSoldaten, nahmen sich eigenmächtig das Recht zu solchen Beschäftigun-gen , namentlich zum Handel, — was offenbar dem militärischen Geisteund der Ordnung sehr schadete. Die Nichtzahlung oder nicht rechtzeitigeZahlung der Löhnung wurde die Ursache zu häufigen Empörungen undgrossen Unordnungen im Heere, besonders bei den habgierigen barbari-schen Miethstruppen.
Die Verpflegung der Truppen aus Staatsmitteln war sicher gestellt:im Frieden durch Vorrathsmagazine [horrea) in den Städten, stehendenLagern oder Festungen, im Kriege durch Zufuhr, Ankauf und Requisitionim Lande, die entweder regelmässig oder ungeregelt und mit Plünderungverbunden war. Es gab hierfür besondere Beamte [frumentarii u. s. w.)Die Hausbesitzer in den Quartieren in Städten und Dörfern waren ver-pflichtet den Soldaten Salz, Essig, Oel und einige andere Artikel zuliefern. Mit dem sich steigernden Luxus, Verweichlichung und denwachsenden Ansprüchen der Truppen einerseits und der Vejheerung,Entvölkerung und Verarmung des Staates andererseits wurde die Ver-pflegung der Soldaten allmälig immer üppiger, aber auch schwieriger.Die Lieferung von Esswaaren und Vorräthen, namentlich an die Präto-rianer und Offiziere, fand in immer erhöhtem Maasse statt. Was die Mit-nahme von Lebensmitteln durch die Soldaten selbst und die Mitführungbeim Heere durch Lastthiere anbelangt, so nahm Letzteres in demselbenMaasse zu, wie Ersteres abnahm.
Tross und Bagage, welche mit den Legionen und Armeen mitgeführt